Melonen statt Millionen

Paul Maar liest in Halle 5. e.V. aus seinem Buch »Am Samstag kam das Sams zurück«.

© Friedrich Oetinger Verlag

Rote Haare, Taucheranzug und Wunschpunkte – wenn man diese drei Worte hört, wissen die meisten, um was es geht: Das Sams, dieses freche Wesen, das das Leben des schüchternen Herrn Taschenbiers gehörig aufmischt. Das erste Buch »Eine Woche voller Samstage« wurde bereits 1973 veröffentlicht. Es folgten acht weitere Teile und drei Kinofilme. Das neueste Buch »Das Sams feiert Weihnachten« erschien erst letztes Jahr. Logisch, dass der mittlerweile 80-jährige Autor Paul Maar daraus gerade schlecht vorlesen kann, schließlich ist fast schon wieder Ostern. Da momentan allerdings gerade auch die alten Sams-Bücher nach und nach neu aufgelegt werden, hat Paul Maar trotzdem einen Grund, für die Buchmesse nach Leipzig zu kommen. An diesem Freitagmorgen liest er im Jugend- und Kulturzentrum Halle 5 e.V. in Connewitz aus dem zweiten Teil der Buchreihe. Die Lesung ist seit Wochen ausgebucht: Zwischen etwa 100 Kinder mischen sich ein Dutzend Erzieher und Eltern.

Paul Maar – in einen schlichten Anzug gekleidet – betritt die Bühne. Nach einer kurzen Begrüßung schreitet er an ein Flipchart. Er sei schließlich nicht nur Autor, sondern auch Illustrator seiner Bücher, deshalb wolle er sich zeichnerisch vorstellen. Also malt er mit einem Filzstift verschiedene Tiere auf das Flipchart, bezieht die Kinder mit ein und hat immer einen Reim parat, wie etwa: »Ein Igel – das wäre doppelt nett, wenn er keine Stachel hätt´.« Am Ende ergeben die Anfangsbuchstaben der Tiere: »Mein Name ist Paul Maar.«

Danach setzt er sich an den Tisch und liest zunächst eine Geschichte aus seinem Buch »Schiefe Märchen und schräge Geschichten«. Mit der Geschichte über eine sprechende Vase schafft Maar es, die Kinder bei Laune zu halten. Der Vorteil: Die Vase wird von ihm mit einer witzigen Stimme gesprochen und ist dazu noch schwerhörig. Das sorgt für einige Lacher, da der Besitzer der Vase sich etwas wünschen darf und dann irgendwann statt drei Millionen drei Melonen im Wohnzimmer liegen hat.

Wünsche? Da werden Erinnerungen an das Sams wach. Mit Zeichnungen von ihm und Herrn Taschenbier führt der Autor die Kinder in seine wohl bekannteste Geschichte ein. Wenig später folgt dann noch eine längere Passage aus dem zweiten Sams-Teil. Und was soll man sagen? Auch im Jahre 2018 hat die Szene in einem vornehmen Restaurant nichts an Witz eingebüßt. Das Aufeinanderprallen der beiden Welten – das freche Sams trifft auf einen hochnäsigen Kellner – funktioniert immer noch. Nicht nur die Kinder müssen lachen, als der Kellner das Sams fragt, ob er ihn an der Nase herumführen will und es freudig antwortet: »Auja! Darf ich?« Oder als es die Speisekarte aufessen will und sich schließlich entschuldigt, da es natürlich vergessen hat, Messer und Gabel dafür zu nehmen. Es gilt ja schließlich, zumindest wenn man dem Sams glaubt: »Man isst nicht mit den Händen, man isst nicht mit dem Fuß, mit Messer und mit Gabel isst man sein Apfelmus.«  

Beitragsbild: Paul Maar zeichnet das Sams. © Paul Materne


Die Veranstaltung: Paul Maar liest aus Am Samstag kam das Sams zurück. Halle 5. e.V., 16.3.2018, 10.30 Uhr

Das Buch: Paul Maar: Am Samstag kam das Sams zurück. Friedrich Oetinger, Hamburg 2018, 187 Seiten, 13,00 Euro


 

 

Der Rezensent: Paul Materne

 


 

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