Meister-hafte Lyrik in persönlicher Atmosphäre

Gerhard Meister präsentiert im Gohliser Schlösschen seinen ersten Lyrikband »Eine Lichtsekunde über meinem Kopf«.

Gerhard Meister. © Ayse Yavas
Gerhard Meister. © Ayse Yavas

Gedichte, die vom Universum handeln: dem großen Ganzen und dem eigenen Kleinen. Sie beschreiben den Mond, die »ziemlich grosse Kugel eine gute Lichtsekunde über meinem Kopf «, die Flugzeuge, die nach einer Explosion am Himmel nur noch als kleine Ascheflöckchen auf die Erde rieseln und laute, lange Nächte auf den Straßen.

Nur wenige Zuhörer haben am Donnerstagabend den Weg in den Norden der Stadt auf sich genommen. Das Gohliser Schlösschen umgibt ein herrschaftliches Ambiente. Die hohen Hallen zieren Gemälde, Kristallleuchter säumen die Gänge und selbst die Lampen auf den Lesungstischen glänzen golden. Der Großteil der elegant gepolsterten Stühle im Saal bleibt an diesen Abend jedoch leer. Kurzum fordert der Autor Gerhard Meister die wenigen Gäste auf, sich zu ihm an den Tisch zu setzten und bietet Kaffee und Gebäck an. Die Lesung wird so zu einer sehr persönlichen Angelegenheit. Die mitgereiste Tamaris Mayer vom Verlag Der gesunde Menschenversand stellt Meister vor.

Der Schweizer hat mit »Eine Lichtsekunde über meinem Kopf« gerade seinen ersten Lyrikband veröffentlicht. Vorher schrieb er vor allem Theaterstücke und war in der Spoken-Word-Szene aktiv. Dieses Genre, in dem Autoren ihre lyrischen Werke oder Erzählungen vor Publikum vortragen, macht sich auch in seiner Lesung bemerkbar. Besonders am Vortrag ist natürlich der schweizerische Dialekt, aber auch Betonung und Vortragsstil nehmen den Zuhörer mit durch das dichterische Universum Gerhard Meisters.

© Der gesunde Menschenversand
© Der gesunde Menschenversand

Die Themenvielfalt ist groß, eine klare Linie schwer zu finden. Die Bandbreite der Gedichte reicht inhaltlich von Sternenbeschreibungen über den Zusammenhang zwischen Engeln und herumsirrenden Fliegen bis zu collageartig zusammengestellten Fetzten verschiedener Gebrauchsanleitungen. Manche Gedichte sind leicht, manche ernst, andere komisch und kritisch. So mahnt etwa »Gesundheit ist das höchste Gut« die Toten sich ja nicht auf die faule Haut zu legen, sondern auch im Grab die Knochen in Trab zu halten. Eine sarkastische Botschaft an den Fitnesswahn der heutigen Zeit.

In der persönlichen Atmosphäre geht Meister immer wieder auf Fragen und Anmerkungen ein. Er erzählt von Erlebnissen, die ihn inspirieren, von der Magie des Alltags, vom Glauben an die Evolution und dem faszinierenden Gedanken fliegen zu können. Auf die Frage, wie er beim Verfassen seiner Werke vorgeht, liest Meister noch ein allerletztes Gedicht. »Poetogenese« handelt von Ideen, die in den Kopf rieseln, dem Antrieb des Koffeins und den schließlich entbrannten Flammen des poetischen Schaffens, die in raschen Tippgeräuschen enden. »Und genau so entstehen meine Gedichte«, schließt Gerhard Meister schmunzelnd ab.

Es endet eine sehr persönliche Lesung. Zwar ohne donnernden Applaus hunderter Hände, aber mit einem sympathischen Autor und zufriedenen Zuhörern. Draußen ist es klar und kalt, ich habe sofort die Intention Richtung Himmel in das Universum zu blicken. Dort scheint tatsächlich der Mond, eine gute Lichtsekunde über meinem Kopf.

Beitragsbild: Gerhard Meister liest aus seinem Lyrikband. © Laura Winkelmann


Die Veranstaltung: Gerhard Meister liest aus Eine Lichtsekunde über meinem Kopf, Moderation: Tamaris Mayer, Gohliser Schlösschen, 23.3.2017, 21.00 Uhr

Das Buch: Gerhard Meister: Eine Lichtsekunde über meinem Kopf. Der gesunde Menschenversand, Luzern 2016, 112 Seiten, 20,00 Euro


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Die Rezensentin: Laura Winkelmann

 


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