»Meine Oma war schockiert«

Carl Wilckens liest aus seinen Debütroman »13. Das Tagebuch«.

Die Fantasy-Leseinsel in Halle 2 leert sich bereits. Nur vereinzelt bleiben ein paar Menschen sitzen, um auf den letzten Autor zu warten. Hierbei handelt es sich um Carl Wilckens, einen jungen Schriftsteller vom Niederrhein, der seinen Debütroman »13. Das Tagebuch« vorstellt. Wilckens studierte Maschinenbau in Duisburg und schreibt neben Romanen auch Gedichte und Kurzgeschichten. Er habe sich extra für ein technisch-mathematisches Studium entschieden, um zu vermeiden, dass seine Leidenschaft, das Schreiben, der beruflichen Routine verfällt.

Düster, abenteuerlich und unglaublich fesselnd. So wird »13. Das Tagebuch« beschrieben. Godric End, Symbolfigur des Bürgerkrieges in Dustrien, gerät in Gefangenschaft und beginnt, den Insassen des Gefängnisses seine Geschichte zu erzählen. Er spricht über seinen ersten Mord, seine Jugend, die er als Drogensüchtiger im Unterrumpf der Swimming Island verbrachte, und von einem Tagebuch, dessen Eigentümer er durch Zufall wird.

Bevor Wilckens jedoch anfängt zu lesen, warnt er das Publikum: Bei dem nachfolgenden Ausschnitt handele es sich um eine brutale Stelle. Eltern sollen ihren Kindern lieber die Ohren zuhalten. »Meine Oma hat das Buch auch gekauft. Erst dachte ich, dass sie es sich nur in den Schrank stellen will. Sie hat es aber tatsächlich gelesen und war schockiert«, erzählt Wilckens. Na wenn das kein vielversprechender Einstieg ist.

© Acabus Verlag
© Acabus Verlag

Der Autor beginnt mit einer tiefen, leicht kratzigen Stimme zu lesen, und sofort bekommt man überall Gänsehaut. Godric End erzählt den Insassen gerade von seinem ersten Mord. Bei der Beschreibung, wie er einen anderen Süchtigen mithilfe einer List in zwei Hälften teilt, läuft dem Zuhörer eiskalt ein Schauer über den Rücken. Wilckens versteht, wie man seine Zuhörer fesselt. Die Handlung ist spannend und wie bereits versprochen äußerst brutal. Nach einer kurzen Andeutung des weiteren Verlaufs beginnt er, einen zweiten Auszug zu lesen. Diesmal dreht es sich um das Tagebuch, Ends Schwester Emily und einen Marionettenmann, der Schrumpfköpfe sammelt.

Wilckens Lesung wird eher unsanft durch die Rausschmeißer-Messedurchsage beendet. Der Autor nimmt das allerdings mit Humor. »Ich brauche übrigens noch weitere Namen für meine Schrumpfköpfe«, sagt er. »Ich musste bereits meinen eigenen nehmen. Es wäre also schön, wenn ihr mir eure Namen sagt, wenn ihr euer Buch signiert haben wollt.« Das Publikum lacht und stellt sich am Signiertisch sofort in eine Schlange. Wer wollte nicht schon immer mal einem Schrumpfkopf seinen Namen leihen?

Beitragsbild: Carl Wilckens auf der Leseinsel Fantasy. © Isabell Barthel


Die Veranstaltung: Carl Wilckens liest aus 13. Das Tagebuch, Messe Halle 2, 25.3.2017, 17.30 Uhr

Das Buch: Carl Wilckens: 13. Das Tagebuch. Acabus Verlag, Hamburg 2017, 260 Seiten, 13,00 Euro, E-Book 5,99 Euro


 

 

Die Rezensentin: Isabell Barthel

 


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