»Man muss sich nicht immer über alles lustig machen«

Autor André Herrmann liest im Literarischen Salon NRW.

»Wo simmer‘n hier? Beim Griechen? « – »Nee, bei’n Fidschis.« Sächselnd imitiert André Herrmann seine unangenehme Verwandtschaft beim Familienessen. Solche Szenarien schreibt er gern auf. Der 34-jährige Wahlleipziger hat mit Poetry Slam angefangen, mittlerweile einen Roman veröffentlicht und schreibt unter anderem für das Neo Magazin Royale. Er liest im Literarischen Salon NRW. Nur rund 20 Menschen haben hier Platz, ebenso klein ist die Bühne. Hier machen es sich André Herrmann – schlicht in schwarz gekleidet – und die Moderatorin Christine Brinkmann auf den roten Sesseln gemütlich.

Mit ihr spricht er über ein Projekt des Düsseldorfer Kulturzentrums zakk, bei dem, so die Moderatorin, Lesungen auf den »hässlichsten Hinterhöfen der Stadt« stattfinden. Als sie davon erzählt, dass dabei manche Autoren das Publikum anziehen würden, sieht sie verschwörerisch zu André Herrmann. Er hat vor zwei Jahren bei einer Hinterhoflesung gelesen und lächelt jetzt geschmeichelt.

Auch Leipziger können schreiben – André Herrmann hat auf der Buchmesse gelesen. © Enrico Meyer

Neben sich hat er sein Buch »Klassenkampf« und einige Sticker drapiert, die die Aufschrift »Alf statt AfD« ziert. »Die haften leider nur am Compact-Stand«, sagt Herrmann und fährt erste Lacher ein. Jetzt liest er zwei neue Texte. Seine Erfahrung macht sich bemerkbar, Schnelligkeit und Dynamik erinnern an Poetry Slams. Er liest fehlerfrei und gefühlt ohne Atempausen. Dabei zieht er über seine Familie her, ohne verletzend zu sein. Und wenn seine Mutter André Herrmann im Text dazu ermahnt, sich nicht über alles lustig zu machen, lacht das Publikum umso mehr. Seine zweite Geschichte dreht sich um eine nächtliche Begegnung mit der Polizei. Herrmann ahmt »Ganz in schwarz. Wie’n Verbrecher« in perfektem Sächsisch nach, um darauf »Manchmal trag ich auch gleich schwarz-weiß gestreift« zu entgegnen.

Nach einer kurzen Gesprächspause mit Brinkmann liest er seinen letzten Text. Wieder geht es um Herrmanns Familie. Das spanne ja immerhin den Bogen zum Anfang. »Quatsch« heißt die Geschichte und das sei es auch, was sein Opa für eine Vorstellung von seinem Beruf habe, so Herrmann. Während er ein Familienessen beim Asiaten beschreibt, imitiert er seine Familienmitglieder und überzeugt das Publikum davon, dass seine Familie die Strapazen jeder anderen übertrifft.

Dass André Herrmanns Texte lustig sind, ist vor allem seiner Umwelt zu verdanken. Erzählungen basieren auf komischen Freunden oder peinlichen Familienmitgliedern. Aufschreiben kann das zwar jeder; den Humor des Alltags und Situationskomik auch auf der Bühne mit Witz zu vermitteln, ist dann aber doch André Herrmanns Spezialgebiet.

Die dreißigminütige Lesung war sicher nicht die beste Werbung für die Düsseldorfer Hinterhoflesungen. Zwei Dinge sind aber klar. Erstens: Für André Herrmann könnte man sich auch zu einer »richtigen« Lesung bewegen. Und zweitens: Vielleicht sollte man die eigenen Familiengeschichten auch mal aufschreiben …

Beitragsbild: André Herrmann liest einen seiner Texte, während ihm die Moderatorin Christine Brinkmann lauscht. © Lucie Herrmann


Die Veranstaltung: André Herrmann spricht mit Christine Brinkmann über »zakk: Hinterhoflesung – Ein bewegendes Literaturfest« und liest eigene Texte. Literarischer Salon NRW, 15.3.2018, 15 Uhr.

Der Autor: www.andreherrmann.de


 

Die Rezensentin: Lucie Herrmann

 

 


 

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