Lieber im Bett bleiben

Sascha Heße stellte am Samstagabend im Grassisaal der Stadtbibliothek Leipzig sein Buch »Im Luxus der Ideen« vor.

Am verschneitesten aller Buchmessetage treffe ich in der Stadtbibliothek ein, wo ich freundlich begrüßt und von Bibliotheksmitarbeiterinnen zum Grassisaal gelotst werde. Nun, das Wort »Saal« hat wohl selten weniger gepasst. Steril eingerichtet, nur von einer der beiden Neonröhren beleuchtet, ist das Einzige, was an den Komponisten erinnert, ein kleines Klavier in der Ecke. Überpünktlich betreten Sascha Heße und Moderator Ulf Heuner den Raum. Nach einer kurzen Vorstellung des Autors verabschiedet sich Heuner jedoch schon wieder in die erste Reihe und überlässt Heße seinem Schicksal.

© Parodos Verlag

In »Im Luxus der Ideen« werden verschiedene Texte und Aphorismen in passende Themenkapitel eingeteilt; Inhalte sind der Schaffensprozess eines Autors, die Wissenschaft, Fragen nach Leben und Tod oder die Bedeutung der Musik. Alles, was den freischaffenden Philosophen, der nebenbei auch als Komponist tätig ist, so beschäftigt.

Knapp die Hälfte der Plätze ist besetzt, und ein großer Teil davon hat sich wohl den falschen Platz gesucht, denn die Lesung wird ständig von Bitten unterbrochen, der Autor solle doch näher an das Mikrofon heranrücken und seine Sätze so laut beenden, wie er sie angefangen hat. Meiner Meinung nach gehört das zur künstlerischen Freiheit. Genau wie die vereinzelten Räusperer. Und die Kunstpausen – niemand weiß genau, wann Heße beabsichtigt, seine stillen Gedankengänge zu beenden. Und wenn sich der Blick der Zuschauer dann doch für einige Augenblicke in das Schneegestöber vor den Fenstern verlieren sollte? Keine Angst, durch die Kunstpausen ist die Möglichkeit sehr gering, auch nur einen Satz zu verpassen.

Heßes Entertainment-Talent lässt sich mit der Fähigkeit der Deutschen Bahn vergleichen, mit mehr oder weniger plötzlichen Wetterumschwüngen umzugehen. Seine monotone, einschläfernde Stimme und wie er von Menschen erzählt, die überhaupt nicht mehr aus dem Bett kämen vor Unmotiviertheit, lässt mich daran denken, dass dies heute tatsächlich eine echte Alternative gewesen wäre: im Bett zu bleiben. Fragen nach seinem eigenen Schaffensprozess, seinem Alltag oder seinen Beweggründen, beantwortet Heße eher halbherzig. Der Autor lässt sich ungern in die Karten gucken. Es ist eben nicht jeder geschaffen für das Showbiz.

Beitragsbild: Sascha Heße, vertieft in sein neustes Buch »Im Luxus der Ideen«. © Lea-Tasmin Riedel


Die Veranstaltung: Sascha Heße liest aus »Im Luxus der Ideen«, Moderation: Ulf Heuner, Grassisaal der Stadtbibliothek Leipzig, 17.3.2018, 18 Uhr

Das Buch: Sascha Heße: Im Luxus der Ideen. Parodos Verlag, Berlin 2018, 130 Seiten, 13 Euro


 

 

Die Rezensentin: Lea-Tasmin Riedel

 


 

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