Liebe zwischen »Verschwinde für zehn Minuten aus meinem Leben« und »Jetzt, Liebster, komm zurück und liebe mich«

Eine Lesung von Artemis Chalkidou aus Dorit Rabinyans Buch »Wir sehen uns am Meer« zur Leipziger Buchmesse.

Dorit Rabinyan. © Sharon Deri, Kiepenheuer & Witsch
Dorit Rabinyan. © Sharon Deri, Kiepenheuer & Witsch

Wir befinden uns auf dem Leipziger Messegelände am Stand der Botschaft des Staates Israel – und es sind nur noch Stehplätze vorhanden. Der Grund hierfür ist die Vorstellung von Dorit Rabinyans Buch »Wir sehen uns am Meer«. Leider kann die Autorin aus gesundheitlichen Gründen selbst nicht anwesend sein, sodass die Schauspielerin Artemis Chalkidou – welche häufig die weiblichen Stimmen israelischer Autoren vertritt – gemeinsam mit der Moderatorin Shelly Kupferberg die Veranstaltung leitet. Doch dies ist für die Zuschauer keine allzu herbe Enttäuschung, denn das Buch spricht für sich selbst. Kupferberg führt zu Beginn kurz mit einigen Details zu Rabinyan ein. Diese stammt aus einer jüdisch-iranischen Familie, schrieb schon einige Bestseller und wurde für »Wir sehen uns am Meer« mit dem Bernstein-Literaturpreis in Israel ausgezeichnet.

Die Geschichte handelt von der Israelin Liat und dem Palästinenser Chilmi, die in New York zueinanderfinden, doch ihre Liebesbeziehung wird von der politischen Realität behindert. Das Buch sorgte in Israel für heiße Diskussionen und wurde an Schulen verboten zu lesen.

Chalkidou liest den Zuschauern zwei ausgewählte Textstellen vor – zum einen die erste Begegnung von Liat und Chilmi und zum anderen eine Szene, in der deutlich zum Vorschein kommt, dass ihre Herkunft ihrem Zusammensein im Wege steht. Chalkidou trägt diese Textstellen mit einer deutlichen, geradezu sanften Stimme vor, wodurch die Zuhörer wie gebannt an ihren Lippen kleben.

© Kiepenheuer & Witsch
© Kiepenheuer & Witsch

Kupferberg teilt mit den Zuschauern ihr geheimes Hintergrundwissen zum Buch, denn – auch wenn Rabinyan dies nicht offen behauptet hat – soll es durchaus autobiografische Züge beinhalten, was das Ganze noch einmal spannender macht. »Die Geschichte soll vor allem das Gemeinsame – des Paares und der beiden Nationen – und nicht das Trennende hervorheben«, so Kupferberg. Und genau diese Gemeinsamkeiten lassen sich aus dem Werk herausarbeiten, obwohl auffällig ist, dass Liat im Gegensatz zu Chilmi viel mehr Vorurteile hegt und weniger von der anderen Kultur weiß. Liat versucht ihre Beziehung zu dem Palästinenser vor ihrer Familie geheim zu halten, deshalb kommt es zu Situationen, in denen Chilmi den Raum verlassen muss, damit sie ihre Eltern anrufen kann. Dann sagt sie ihm beispielsweise: »Verschwinde für zehn Minuten aus meinem Leben«, nur um ihn später um seine Liebe zu bitten. Die Zuschauer sind hingerissen und es ist deutlich, dass das Ende der Lesung für einige zu früh eintritt. Wirklich Schade ist, dass es das Buch selbst am Stand nicht zu erwerben gibt – dies lässt viele Zuhörer enttäuscht zurück.

Beitragsbild: Artemis Chalkidou (links) und Shelly Kupferberg (rechts). © Sarah Schlapper


Die Veranstaltung: Artemis Chalkidou liest aus Wir sehen uns am Meer von Dorit Rabinyan, Moderation: Shelly Kupferberg, Leipziger Buchmesse, 23.3.2017, 16.00 Uhr

Das Buch: Dorit Rabinyan: Wir sehen uns am Meer. Köln 2016, 379 Seiten, 19,99 Euro, E-Book 17,99 Euro


 

 

Die Rezensentin: Sarah Schlapper

 


 

2 Gedanken zu „Liebe zwischen »Verschwinde für zehn Minuten aus meinem Leben« und »Jetzt, Liebster, komm zurück und liebe mich«

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