Letzte UV-Lesung: »Mit Pauken und Trompeten«

Ein Abschied bedeutet keine Flut von Krokodilstränen oder Melancholie. Im Fall der UV-Lesung steht das Jubiläum im Vordergrund und damit die zehnte Runde – wir werfen einen Blick auf den Feierabend dieser Veranstaltungsreihe.

Autoren unter dem Radar des Mainstreams eine Bühne liefern, das ist der Antrieb der Initiatoren des Vereins »Lesungen der unabhängigen Verlage«, der sie auch in diesem letzten Leseabend begleitet. Eigentlich ist dieses Jahr ein Grund zum Feiern, bereits zehn Jahre frönen die kleinen und großen der unabhängigen Verlage einen Abend dem Lesekult. Doch am 23. März öffnet der Westflügel ein letztes Mal für diese Veranstaltung – das Jubiläum ist gleichzeitig auch das Ende.

Der Saal des Westflügels und sein lauschendes Publikum © Franziska Frenzel

Von den Organisatoren ist ein krönender Abschluss geplant, der ein Programm aus Lyrik und Prosa umfasst, insgesamt kommen Lesende von sechzehn Werken auf zwei Bühnen zu Wort. Die Leserunden sind unter Motti gestellt, so führt ein Gedichtband zu Pop-Literatur, Wiederentdecktes zu aktuellen Debatten:
»Ich bin Ölzem« von Dilek Güngör zum Beispiel thematisiert die von unserer Gesellschaft aufgezwungene Zugehörigkeitsfrage oder der nach eigener Identität. Lessie Sachs dagegen, eine Lyrikerin aus dem letzten Jahrhundert, offenbart uns in »Das launische Gehirn« ihre Lebenswelt als deutsch-jüdische Schriftstellerin und schreibt in ihrem Buch gewitzte und selbstironische Texte.
Der enorme Aufwand, um den vierstündigen Leseabend für alle Beteiligten auf die Beine zu stellen, ist allerdings für den Verein nicht mehr zu stemmen – die Veranstaltung selbst ist in den zehn Jahren, wie die Independent-Verlage auch, gewachsen.
Einstige Mitbegründerin und Initiatorin Irina Kramp schaut romantisiert auf die letzten Jahre zurück, »gerade wenn man sich die Bilder ansieht, denkt man, wie schön doch alles war, Wehmut schwingt auf jeden Fall mit.« Doch die Doppelbelastung aus Job und Ehrenamt, der die Vereinsmitglieder Jahr um Jahr ausgesetzt waren, die emsige Suche nach finanziellen Mitteln, brachten die Mitglieder zum Entschluss, dass dies die letzte Veranstaltung sein wird, und »es fühlt sich auch richtig an«, bestätigt Kramp.
Anstatt Trübsal zu blasen wird zum Buchmessenfreitag die letzte Lesung zelebriert und damit die Arbeit der letzten zehn Jahre, wie die Veranstalter selbst so schön sagen: »Mit Pauken und Trompeten.«

Die Veranstaltung: Die Lesung unabhängiger Verlage, Lindenfels Westflügel, 22.3.2019, 20.00 Uhr
Die Bücher: (nur die im Text erwähnten) Dilek Güngör: Ich bin Özlem. 2019, 160 Seiten, 19,00 Euro, E-Book 12,99 Euro
Lessie Sachs: Das launische Gehirn. 2019, 300 Seiten, 20,00 Euro


Die Rezensentin:

 

 

 

Sarah Englisch

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