Lesung mit Musik – »Kant’ste machen!«

Anlässlich des 200. Geburtstages von Clara Schumann, der sich 2019 jährt, stellte die Autorin Professor Dr. Beatrix Borchard, eine der führenden Schumann-Forscherinnen, im Schumann-Haus ihren neuesten Titel vor. Nach der Lesung herrschte aber noch reger Gesprächsbedarf…

Dominik Dungel (links) und Nina Kelm (rechts) © Nina Kelm

Dominik: Was hörst du eigentlich für Musik in deiner Freizeit außer die übliche U-Musik?
Nina: Ich habe vor ein paar Jahren eine CD mit Trompetenkonzerten geschenkt bekommen, die ich gerne höre.
Dominik: Das ist interessant! Was für eine CD ist das denn genau?
Nina: Auf der CD sind verschiedene Trompetenkonzerte von Hummel und Haydn. Alles wurde von Alisom Balsom, einer berühmten Trompeterin, eingespielt.
Dominik: Dann spielst du bestimmt auch selbst Trompete, oder?
Nina: Das stimmt. Schon seit ein paar Jahren, aber bisher habe ich mich an anspruchsvollere klassische Stücke noch nicht heran getraut.
Dominik: Das ist lustig, ich spiele nämlich Posaune! Auf der Lesung von Frau Prof. Dr. Borchard hat mich besonders das Scherzo in c-Moll mitgerissen…
Nina: Das hat mir auch sehr gut gefallen, weil es perfekt in die Stimmung, die im Salon geherrscht hat, hineinpasste und es auch sehr schön war, ein Stück von einer Komponistin, nämlich Clara Schumann, zu hören.
Dominik: Weißt du zufällig noch, welches das erste klassische Stück war, das du überhaupt gehört hast?
Nina: Ich glaube, das war »Für Elise« – Meine Schwester hat das damals oft auf dem Klavier gespielt. Es ist bis heute eines meiner Lieblingsstücke, weil es mich eben an meine große Schwester erinnert und ich ihr ja immer gerne beim Klavier spielen zugehört habe.
Dominik: Ich musste beim Zitat von Frau Borchard, nämlich, dass alle Künstler Esel ohne Erziehung seien, sehr schmunzeln und direkt an Kant denken.
Nina: (lacht und ist verwundert) Aber warum musstest du an Kant denken? Ich kenne mich da gar nicht aus!
Dominik (lacht): ›Handle so, daß du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest!‹ Das ist ein Zitat von Kant. Frau Borchard fügte ja noch an, dass wir alle zuerst Menschen im ethischen Sinne seien…
Nina: Ich hatte den Eindruck, dass das auch so klingt, als wäre der Künstler in erster Linie dafür zuständig, Unterhaltung zu bieten. Das Zitat von Frau Borchard war provokant, aber es trifft natürlich nicht auf alle zu. Wenn ich an den Künstlerberuf denke, dann kommen mir Dinge, wie Existenzängste und unsichere Zukunftsperspektiven in den Sinn, das ist ja eigentlich das Gegenteil von irgendwelchen Freiheiten, die das Zitat suggeriert.
Dominik: Das stimmt, ich finde da hast du völlig Recht.
Nina: Wie hast du denn das verstanden? Sind dir schon viele Esel begegnet?
Dominik: Zuerst sollte man natürlich daran denken, dass so eine Verallgemeinerung völlig absurd ist. Allerdings habe ich es auch schon erlebt, dass sich so mancher, der sich für einen großen Künstler hält, anderen überlegen fühlt. Trotz alledem mir hat der Abend wirklich gut gefallen.
Nina: (lacht) Ja, mir auch, das war wohl ein gelungenes Gesamtpaket, trotz einiger Schwierigkeiten bei der Technik.
Dominik: Da muss ich dir zustimmen. In diesem Sinne – ein schönes Leipziger Lesefest 2019, bis nächstes Jahr, vielen Dank für das Gespräch!

Beitragsbild: Das Schumann-Haus © Nina Kelm


Die Veranstaltung: Lesung mit Musik, Moderation: Doris Wendt, Beatrix Borchard: Clara Schumann. Neue Quellen – Andere Schreibweisen, 23.03.2019, 18:00 Uhr, Schumann-Haus.


Veranstalter: Georg Olms Verlag.


Das Buch: Beatrix Borchard: Clara Schumann. Neue Quellen – Andere Schreibweisen, Hildesheim 2019, 300 Seiten, Preis: 24,80 Euro.


Interview: Dominik Dungel

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