Leseorte: Die Schaubühne Lindenfels

Ein Veranstaltungsort mit wechselvoller Geschichte lockt zur Buchmesse mit bekannten Namen und spannenden Kombinationen.

Kaum ein kulturinteressierter Leipziger, der hier nicht schon einmal einen Film geschaut, ein Theaterstück gesehen oder wenigstens im Sommer einmal auf der Terrasse gesessen hat: Die Schaubühne Lindenfels im Herzen des Leipziger Westens ist eine der bekanntesten Adressen der freien Leipziger Kulturszene. Neben den überwiegend im Ballsaal stattfindenden Theater- und Tanzaufführungen, Konzerten und Lesungen stellt auch das Programmkino im Grünen Salon Woche für Woche eine abwechslungsreiche und anspruchsvolle Filmauswahl vor.

Das Haus blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. 1874 als Gaststätte gegründet, wurde bereits zwei Jahre später eine sogenannte Gesellschaftshalle für Tanz- und weitere Veranstaltungen an das Gebäude angeschlossen und später zum prunkvollen Ballsaal umgestaltet. Bereits in dieser Zeit nutzte man die Räume für Kinovorführungen sowie für »Öffentliche Theatralische Veranstaltungen«. Der heute als Puppentheater genutzte Westflügel diente ab 1943 einem benachbarten Fabrikanten als Produktionsstätte für Ofenrohre. Nachdem die Firma 1975 ihre Produktion eingestellt hatte, stand dieser Teil des Gebäudes 20 Jahre lang leer. Das Kino hingegen wurde 1949 zu einem Volkseigenen Betrieb umgewandelt und war unter dem Namen »Lichtspieltheater Lindenfels« bis zu einer Heizkesselhavarie im Winter 1987 in Betrieb.

Der grüne Salon I © Schaubühne Lindenfels

Die Geschichte der Schaubühne, wie wir sie heute kennen, beginnt 1993 mit der Idee junger und ambitionierter Theatermacher, einen alternativen Produktions- und Aufführungsort jenseits des Stadttheaters zu schaffen. Die Gründer erkannten das Potential des leer stehenden Gebäudes und sahen, welch prächtige Architektur hinter der schlichten Fassade verborgen war. Hier wollten sie ihre Vision von einer kulturellen Begegnungsstätte verwirklichen – im damaligen Arbeiterviertel Plagwitz mit seinen bröckelnden Fassaden und Fabrikruinen ein durchaus gewagter Plan. Doch nach ersten Sanierungsarbeiten konnte schließlich am 15. September 1994 die erste Premiere gefeiert werden.

Beinahe wäre der Traum vom eigenen Kulturbetrieb Anfang der 2000er Jahre geplatzt. Der Immobilienbesitzer ging insolvent und musste verkaufen. Um genügend Kapital für den weiteren Betrieb der Schaubühne Lindenfels aufzutreiben, wurde eine gemeinnützige Aktiengesellschaft gegründet. Über 1200 Aktionäre beteiligten sich mit dem Kauf einer gemeinnützigen Aktie und sichern so bis in die Gegenwart das Fortbestehen des Hauses und machten es somit zum ersten Aktientheater Deutschlands.

Grüner Salon II © Schaubühne Lindenfels

Und was passiert hier zur Buchmesse? Insgesamt zehn Veranstaltungen finden in den Räumen der Schaubühne statt. So steht beispielsweise am 15. März die Nobelpreisträgerin Herta Müller gemeinsam mit der Sängerin und Liedermacherin Ada Milea auf der Bühne. Am 16. März lockt DAS MAGAZIN mit seiner Lesenacht zahlreiche Besucher in den Ballsaal und am 17. März runden Peter Stamm und Dana Grigorcea schließlich das Programm mit einem literarisch-musikalischen Abend ab (alle Veranstaltungen beginnen jeweils um 20 Uhr). Ausführliche Informationen zu allen weiteren Veranstaltungen sind unter www.schaubuehne.com zu finden.

Beitragsbild: Schaubühne Lindenfels © Susann Jehnichen


Die Adresse
Schaubühne Lindenfels gAG
Karl-Heine-Str. 50
04229 Leipzig
www.schaubuehne.com


 

Die Rezensentin: Paula Baudach

 


 

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