Leseorte: Das Theater der Jungen Welt

Am Lindenauer Markt beheimatet und berechtigterweise kaum zu übersehen: das Theater der Jungen Welt – ein geschichtsträchtiger Ort, der den Zeitgeist Leipzigs seit jeher mit gestaltet hat. Anfangs war das TdJW ein Theater für Kinder und Jugendliche, noch in der vom Leipziger Architekten Heinrich Rust entworfenen Kongresshalle am Leipziger Zoo.

1946 wurde dort das erste Theaterstück aufgeführt: »Emil und die Detektive« von Erich Kästner. Zum damaligen Zeitpunkt – mitten in der harten Nachkriegszeit – hungerten die Menschen nach Vergnügen und Fantasie: nach Theater. Via Radio wurden die Leipziger gebeten, alte Kleider für den Theaterfundus zu spenden und damit nahm die Geschichte des Theaters der Jungen Welt ihren Lauf. 1989 wurde der Weiße Saal in der Kongresshalle am Zoo durch Brandstiftung unbenutzbar. Daraufhin spielte das Ensemble des TdJW an wechselnden Orten, bis 2003 das ehemalige Haus der Volkskunst am Lindenauer Markt umgebaut und somit dauerhaftes Domizil des Theaters wurde.

Das Publikum durfte schon unzählige bedeutende Stücke auf der Bühne des TdJW bewundern, darunter »Das Tagebuch der Anne Frank«, »Die Feuerrote Blume« oder auch eine Dramatisierung der Pinocchio-Geschichte. In den Anfängen dominierten östliche Märchen das Programm. Mit der Zeit allerdings etablierte sich das Theater mit rund 700 Vorstellungen pro Spielzeit zu einem der aktivsten Kulturbetriebe der Stadt. Längst ist es nicht mehr nur als Kindertheater bekannt, sondern zu einem kulturell wichtigen Ort für Jugendliche, junge Erwachsene und Familien geworden.

2017/18 ist das Programm dem Motto »STEHT KOPF!« verschrieben, ein Zusammenspiel von Hirn und Emotion. Zehn Neuinszenierungen sowie zahlreiche neue Projekte, darunter sieben Uraufführungen und deutschsprachige Erstaufführungen, stehen auf dem Programm und laden zu Kopfständen ein. Neben Kinderbuchadaptionen wie »Pinocchio« und »Alice im Wunderland« präsentiert das TdJW Ideen vom »Anderssein«: Das Tanzprojekt »Dolores (Schmerz)« von Hong Nguyen Thai untersucht das Innenleben und die Vorgänge im Körper Borderline Erkrankter.

Und was passiert zur Buchmesse? Von Mittwoch bis Sonntag finden diverse Lesungen statt, beginnend am 14. März um 20 Uhr mit Raphael Thelens und Thomas Victors »Straße der Träume – Ein Roadtrip auf der B96«. Abschließend am Sonntag um 15 Uhr: Christian von Aster mit »Harem der verschleierten Geschichten«. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage oder direkt vor Ort.

Beitragsbild: Das Theater der Jungen Welt © Gancho, Wikipedia.de


Adresse:
Theater der Jungen Welt
Lindenauer Markt 21
04177 Leipzig
http://www.theaterderjungenweltleipzig.de/



 

Die Rezensentin: Maleka Wiedemann

 

 


 

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