Leipziger Meuten

Jugendoppositionen im Nationalsozialismus, speziell in Leipzig.

© Gerstenberg Verlag

Die Lesung von Johannes Herwig findet in der kleinen Stadtbibliothek in Markkleeberg statt. Inmitten der Bücherregale sitzen die Zuhörer und lauschen Herwigs Debütroman »Bis die Sterne zittern«. Er wirkt selbstsicher und locker, trotzdem ist ihm eine leichte Nervosität anzumerken. Nach einer etwas zu langen Einleitung zur Entstehungsgeschichte des Romans, liest Herwig vier kurze Ausschnitte.

Wir sind im Jahr 1936. In »Bis die Sterne zittern« beamt der gebürtige Leipziger – Jahrgang 1979 – die Leser in die Zeit des Nationalsozialismus. Sie nehmen die Perspektive von Harro, einem 16-Jährigen, ein, der zunächst in eine Prügelei mit Hitlerjungs verwickelt wird. Gleichgesinnte, die nichts mit der nationalsozialistischen Ideologie zu tun haben wollen, eilen ihm zu Hilfe. Es ist eine Schlüsselszene für Harro, in dessen Leben sich alles auf den Kopf stellt. Es folgt ein Jahr mit familiären Problemen, Ärger in der Schule, Nächten am Lagerfeuer, einer ersten Liebe und politischen Aktionen.

Johannes Herwig. © Gerstenberg Verlag

Die sogenannten Leipziger Meuten waren in der Zeit des Nationalsozialismus Gruppen von Jugendlichen, die sich aus der städtischen Arbeiterklasse rekrutierten und 1939 durch die Gestapo zerschlagen wurden. Viele der Jugendlichen kamen in Zuchthäuser, Jugendgefängnisse oder Erziehungsanstalten. Diese Leipziger Meuten haben bei Herwig Eindruck hinterlassen. Sie inspirierten den Autor zu seinem ersten Werk. Die oppositionelle Leipziger Jugendclique zieht auch den Leser in den Bann. Und verknüpft Historie mit Schauplätzen, die noch heute kulturelle Einrichtungen sind, wie zum Beispiel das UT Connewitz.

Beitragsbild: © Gerstenberg Verlag


Die Veranstaltung: Johannes Herwig liest aus Bis die Sterne zittern, Stadtbibliothek Markkleeberg, 29.1.2018, 19.30 Uhr

Das Buch: Johannes Herwig: Bis die Sterne zittern. Gerstenberg, Hildesheim 2017, 253 Seiten, 14,95 Euro


 

 

Die Rezensentin: Laura Linkhorst

 


 

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