»Kunst entsteht ja auch immer aus Leid«

Der Poetry-Slammer Jan Philipp Zymny liest auf der Leipziger Buchmesse Texte aus seinem Hörbuch »Operation Leidenschaft«.

Jan Philipp Zymny. © Lektora Verlag

Schon weit vor Beginn der Lesung ist die Leseinsel Junge Verlage bis auf den letzten Platz gefüllt. Jung und Alt sind von weit hergekommen, um Jan Philipp Zymny zu hören. Als es endlich so weit ist und Zymny die Bühne betritt, ist selbst der Boden gefüllt. Nicht wie so oft auf der Messe sitzen die Menschen bei dieser Lesung nur, um zu sitzen und sich kurz berieseln zu lassen, nein! Hier bei Jan Philipp Zymny ist jeder da für Jan Philipp Zymny, und zugehört wird auch gerne im Stehen – Dabeisein ist alles.

Zymnys erster Text heißt »Exzessive Beerdigung«, und das Publikum feiert den Titel. Nein, hier geht es nicht um eine Beerdigung oder wie man diese exzessiver gestalten könnte, sondern um Handwerker. Zymny trägt seine erst skurril klingenden, aber gleichzeitig authentischen Erfahrungen mit Handwerkern vor, und die Zuhörer sind begeistert. Ein Mädchen in der Reihe vor mir hört nicht mehr auf zu lachen. »Ja, normal müsste das gehen!«, imitiert Zymny den klassischen Handwerker und macht sich darüber lustig, wie es denn möglich sein kann, eine Heizung falsch zu bedienen. Neben Handwerkern werden auch Internetanbieter und die technischen Geräte von heute durch den Kakao gezogen.

© Lektora Verlag

Das zweite Stück heißt »Aschenputtel-Slam«, und hier verarbeitet Zymny sein Kindheitstrauma: die Angst vor den Tauben im Märchen »Aschenputtel«. Schuld daran, sagt er, sei ein Hörspiel aus seiner Kindheit, in dem die Tauben so gruselig gesprochen haben, dass er an dieser Stelle immer das Hören abbrechen musste und bis heute nicht weiß, wie das Märchen ausgeht. Die Zuhörer hören gar nicht mehr auf zu lachen. Nach einer ausgiebigen unterschwelligen Sozialkritik am Märchen und seiner Message stellt Jan Philipp Zymny etwas fest: »Kunst entsteht ja auch immer aus Leid!«

Da aller guten Dinge drei sind, gibt er abschließend seinen Slam-Text »Operation Leidenschaft«, nach dem das Hörbuch benannt ist, zum Besten. Dieser orientiert sich an den Klischees von Groschenromanen und ist gefüllt mit »viel Geilheit«. Mit zum Thema passender Stimmlage trägt Zymny seinen Text vor und sorgt dafür, dass die Zuhörer Bauchschmerzen vom vielen Lachen bekommen.

Zymnys Witz und Ironie schaffen es, die Zuhörer die volle halbe Stunde zu fesseln. Am Ende schaut Jan Philipp Zymny auf seine Uhr. »Nur eine Minute überzogen!«, stellt er stolz fest, und das Publikum schenkt ihm einen abschließenden Applaus, der wahrscheinlich die komplette Halle 5 erfüllt.

Beitragsbild: Jan Philipp Zymny auf der Buchmesse Leipzig © Laura Angrick


Die Veranstaltung: Der bekannte Poetry-Slammer liest Texte aus seinem neuen Hörbuch. Leseinsel Junge Verlage, Halle 5, Stand G200, 18.3.2018, 16 Uhr

Das Buch: Jan Philipp Zymny: Operation Leidenschaft. Lektora, Paderborn 2018, 12 Euro.


 

 

Die Rezensentin: Laura Angrick

 


 

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