»Kriminelle Schreibtischtäter« auf dem Südfriedhof

Die lange Nacht der kurzen Krimis in der Westkapelle des Leipziger Südfriedhofs.

Es herrscht bedächtige Stille im Publikum bei der langen Nacht der kurzen Krimis. Die Westkapelle auf dem Südfriedhof ist in sanftes Licht gehüllt, vom elektrischen Licht der Kerzenständer sowie der dezenten Deckenbeleuchtung der Kapelle. Die kräftigen Stimmen der Vorlesenden füllen den hohen Saal und hallen leicht in den Torbögen des Raumes wieder. Fünf Autoren des Buchvolk Verlages lesen heute aus ihren Werken und stellen Kurzgeschichten passend zur gespannten Stimmung vor.

© Wartberg Verlag.

Die Moderatorin Claudia Puhlfürst, an diesem Abend auch Vorlesende, präsentiert kurz nacheinander die verschiedenen Autoren des Abends. Die erste Leserin der Veranstaltung ist Ethel Scheffler, die das gemeinsame Werk einiger anwesender Autoren »Dunkle Geschichten aus Leipzig« vorstellt. Auch die zweite Darstellerin, Sylke Tannhäuser liest aus diesem Werk, zeigt jedoch eine völlig neue Themenrichtung auf. Gefolgt werden die Ausführungen von Puhlfürst selbst, womit die Variationen des Abends bereits erkennbar werden. Die Themengebiete der Kurzgeschichten reichen von illegalen Spielen in Leipzig, über unliebsame Menschen, die zu schmackhaften Bratwürsten verarbeitet werden, bis hin zu der Ertränkung des letzten Einhorns. Letzteres ist in einem wasserfesten, sogenannten Wannenbuch festgehalten, für den Erwachsenen, dem es nach einem kurzen Krimi in der Badewanne steht. Nachdem Wolfgang Schüber eine Geschichte von durchtriebenen Teenagern, die einer Vorstrafe entwischen, erzählt, gibt es eine kurze Pause. Diese wird dazu genutzt, ein Portrait vom Illustrator und Autor Ralf Alex Fichtner innerhalb von drei Minuten von sich anfertigen zu lassen. In der Unterbrechung, die vom Publikum außerdem begeistert für das Erwerben von Büchern, einer Signatur eben dieser und einem Gespräch mit den Autoren genutzt wird, geht es weiter mit dem am weitesten angereisten Autor. Günther Zäuner ist ehemaliger Lehrer, österreichischer TV-Journalist und Autor aus Wien. Als Nachfolger von Wolfgang Schüber, der im wahren Leben Rechtsanwalt für Strafrecht ist, schlägt Zäuner eine andere Richtung ein, die den Zuhörer ins 20. Jahrhundert des vornehmen Wiens zurückbringt.

Ebenso divers wie die Themen des Abends, sind auch Herkunft und Dialekte der Autoren, die vom lokalen sächsisch bis hin zum melodischen österreichischen reichen. Die ausdrucksvolle Mimik und Gestik der Autoren unterstützen ihre Geschichten und bauen immer wieder den Bezug zum Publikum durch Blickkontakt und eingeschobene Erklärungen auf. Spielend leicht verarbeiten die Akteure des Abends Alltagssituationen in ihren Geschichten und lassen das Publikum meist in gespanntem Schweigen lauschen. Anlässlich der Leipziger Buchmesse werden hier die Kriminalkurzgeschichten spannend und zugleich humorvoll dargeboten, zur Freude des bunt gemischten Publikums.

Beitragsbild: Ralf Alex Fichtner, Wolfgang Schüber, Günther Zäuner, Ethel Scheffler, Claudia Puhlfürst, Sylke Tannhäuser bei der langen Nacht der kurzen Krimis. © Theresa Bruch


Die Veranstaltung: »Die lange Nacht der kurzen Krimis« auf dem Leipziger Südfriedhof, Moderation: Claudia Puhlfürst, 15.3.2018, 19 Uhr

Das Buch: Ethel Scheffler, Sylke Tannhäuser: Dunkle Geschichten aus Leipzig – SCHÖN & SCHAURIG. Wartberg Verlag, September 2017. 80 Seiten, 11,90 Euro


 

 

Die Rezensentin: Theresa Bruch

 


 

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