Kriminalroman mit Pauken und Trompeten

Oliver Diggelmann liest aus seinem Debütroman »Maiwald« und erhält dabei eine unerwartete, musikalische Untermalung.

»Die meisten Menschen haben mindestens einmal im Leben Mordphantasien.«  – Mit dieser Behauptung läutet Oliver Diggelmann die erste Stelle aus »Maiwald« ein. Bei dem Roman handelt es sich um das Debüt des Autors, der hauptberuflich als Professor an der Universität Zürich tätig ist. »Maiwald« thematisiert einen rätselhaften Selbstmord, zeigt dabei verschiedene zeitliche Ebenen und führt schlussendlich zu einer Reihe enttäuschter Frauen. Liebesszenen sucht man bei der Lesung im Literaturcafé der Buchmesse allerdings vergeblich: »Wer also deshalb gekommen ist, muss das Buch später kaufen«, sagt Diggelmann mit einem Augenzwinkern.

Oliver Diggelmann mit seinem Roman Maiwald. © Laura Hüser
Oliver Diggelmann mit seinem Roman Maiwald. © Laura Hüser

Diggelmanns liest mit ruhiger Stimme. Sein Schweizerdeutsch steigert die Sympathie beim Publikum, das jedoch dankbar für das vorhandene Mikrofon ist, denn eine ungeplante, musikalische Untermalung der Lesung übertönt den Autoren. Immer wieder versteht man im Publikum nur Teile der vorgelesenen Szenen, weil von nebenan auf Schlagzeug, Posaune, Trompete und Ähnlichem gespielt wird. Dort findet zufälligerweise gerade ein Workshop »Orchester-Instrumente zum Anfassen und Ausprobieren« des MDR-Sinfonieorchesters statt, was im Nachhinein ein paar schiefe Töne erklärt. An sich eine tolle Sache, für Diggelmanns Lesung aber ärgerlich. Zum Ärgern ist auch, dass die Lesung von »Maiwald« tatsächlich fast ausschließlich aus dem Vorlesen verschiedener Passagen besteht. Dabei hat der Inhalt des Buchs durchaus das Potential, um mit dem Autor ein Interview zu führen. Auch die Fragen, wie der Debütromanautor auf die Idee zu der Geschichte und generell zum Schreiben kam, wären einer Antwort wert gewesen. Dass seine Idee, den Protagonisten als Journalisten arbeiten zu lassen, nicht von ungefähr kommt, zeigt sich beim Blick auf den Lebenslauf des Autors. Diggelmann arbeitet regelmäßig für namenhafte Tages- und Wochenzeitungen wie DIE ZEIT oder die Neue Zürcher Tageszeitung und tritt im Fernsehen als Völkerrechtsexperte auf.

Alles in Allem hat Diggelmann spannende Stellen herausgesucht, die Sprünge zwischen den einzelnen, vorgetragenen Passagen erklärt und bei vielen Lesern im Publikum Spannung aufgebaut. Aus einem Debütroman wie »Maiwald« hätte man allerdings in einer Lesung auf der Buchmesse noch mehr herausholen können.

Beitragsbild: Oliver Diggelmann mit seinem Roman Maiwald. © Laura Hüser


Die Veranstaltung: Oliver Diggelmann liest aus Maiwald, Literaturcafé Leipziger Buchmesse, 23.03.2017, 11.00 Uhr

Das Buch: Oliver Diggelmann: Maiwald, Klöpfer & Meyer, Tübingen 2017, 252 Seiten, 20 Euro, E-Book 13,99 Euro


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Die Rezensentin: Laura Hüser

 


 

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