»Krieg ist kein Spiel, Dorrit«

Der dänische Bestseller-Autor mit seinem neuen Buch in Leipzig.

Punkt 20 Uhr betritt Jussi Adler-Olsen die Bühne, gemeinsam mit Moderatorin Margarete von Schwarzkopf und dem Leser der deutschen Übersetzung, Stefan Wilkening. Die Atmosphäre ist eines Thriller- und Kriminalautors würdig: Der Putz bröckelt von den Wänden, das Licht auf der Bühne ist schummrig, das Publikum wartet voll Spannung auf die ersten Worte des Star-Schriftstellers: »Herzlich willkommen in der Schaubühne Lindenfels«.

© dtv
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Jussi Adler-Olsen ist in Leipzig, um den neuesten Fall seines Ermittlers Carl Mørck vorzustellen. In »Selfies« sind die Charaktere ohne Frage das Highlight des Buches. So war es bereits in den vorhergehenden Bänden der Reihe um Mørck und sein Team, das inzwischen weltweit bekannt ist. Doch es kommen diesmal zwei Dinge hinzu: erstens, dass hier im siebten Teil der Serie zum ersten Mal über die psychischen Probleme inklusive tragischem Familiengeheimnis der Protagonistin Rose berichtet wird. Zweitens, dass ein brutaler Mord an einer alten Frau verübt wurde, eine Serienmörderin gestoppt werden muss und Rose den Kampf gegen ihre Vergangenheit zu verlieren droht. Adler-Olsen übt dabei auch Kritik an der Gesellschaft, an der Erziehung zum Egoismus und dem Auseinanderdriften der einzelnen Bestandteile der Gemeinschaft.

Aber wie nahezu jedes Buch der Reihe geht es auch bei »Selfies« nicht ganz ohne Kritikpunkte aus Lesersicht: Die Beziehungen zwischen den handelnden Personen sind teilweise zu unübersichtlich. Außerdem verwirrt die Anzahl der fünf gleichzeitig zu lösenden Fälle und deren Überlappungen. Hingegen ist die Erzählperspektive, die von Kapitel zu Kapitel wechselt, nur kurzzeitig irritierend, denn sie hilft uns, einen Blick in Roses Kopf zu werfen.

Viele Szenen bleiben hängen, davon eine gleich zu Anfang vorgetragene. Als seine Enkelin fragt, ob die Bilder gespielt seien, in denen er einem Feind die Pistole an den Hinterkopf hält, antwortet der Nazi-Großvater: »Krieg ist kein Spiel, Dorrit.«

Unser Rezensent (links), Jussi Adler-Olsen (rechts) © Marcel Schwenk
Unser Rezensent (links), Jussi Adler-Olsen (rechts) © Marcel Schwenk

Beitragsbild: Jussi Adler-Olsen (links) und Margarete von Schwarzkopf (rechts) auf dem Bloggertreffen am dtv-Stand am Donnerstagnachmittag. © Marcel Schwenk


Die Veranstaltung: Jussi Adler-Olsen und Stefan Wilkening lesen aus Selfies, Moderation: Margarete von Schwarzkopf, Schaubühne Lindenfels, 23.3.2017, 20 Uhr

Das Buch: Jussi Adler-Olsen: Selfies. dtv, München 2017, 576 Seiten, 23,00 Euro, E-Book 19,99 Euro


 

 

 

Der Rezensent: Marcel Schwenk

 


 

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