Kreativität hinter unscheinbarer Fassade

Ein besonderer Ort für Übernachtungen und kulturelle Veranstaltungen

Im Leipziger Westen in einem Flachbau der 50er Jahre spielt sich eine dynamische, bunte und junge Geschichte ab. Das ehemalige Lehrlingswohnheim wirkt von außen bescheiden. An der grauen Fassade mit dem typischen Kiezgraffiti-Gekritzel hängt ein kleines schwarz-weißes Leuchtschild. Ein Palmenlogo mit dem Namen Eden Hostel & Garten ist unser Wegweiser.
Gabriela (31) empfängt uns freundlich mit einem Cappuccino, serviert in filigranen Porzellantassen mit Goldrand. Sie ist eine der mutigen jungen Frauen, die das Hostelprojekt im Jahr 2014 angegangen sind. Das Hostel bezeichnet sie als ihr Baby, gezeugt gemeinsam mit ihren Freunden Thea, Jule und Eva. Es benötigt viel Pflege und investierte Zeit, die sie aber alle gern aufbringen.

Blick in den Aufenthaltsraum © Kinga Bartczak

Unser Blick fällt in den frisch eingeschneiten Garten, der wie eine paradiesische urbane Winterlandschaft aussieht. Der Charme von lauschigen gemütlichen Sommerabenden ist dennoch spürbar. Quer durch den Garten ist eine bunte Lichterkette gespannt, auf der Veranda hängt eine Hängematte und mittendrin steht eine kleine Holzhütte. Gabriela erklärt, dass diese ursprünglich im Rahmen einer Kunstinstallation eines regionalen Künstlers entstanden ist, mittlerweile aber als Grillhütte im Sommer genutzt wird. Allgemein ist im Hostel eine große Affinität zur Kunst erkennbar. Jedes der 13 Zimmer wurde von einem anderen Künstler gestaltet. So entstanden vollkommen individuelle Räume, die alle auf ihre Weise besonders sind.

Eines der Zimmer © Hostel & Garten Eden

Im ersten Stock gibt es 14 Zimmer. Die Nummer 13 gibt es nicht, wie die Reihe 13 in einem Flugzeug bleibt sie den Gästen verschont und wird als Lagerraum genutzt. Bei der Gestaltung der Räume ließen die Gründerinnen den Künstlern völlig freie Hand, waren aber am eigentlichen Bau immer maßgeblich beteiligt. Auf die Frage was habt ihr hier selbst mitgebaut, antwortet Gabriela: »Ich sage euch lieber, was wir nicht gemacht haben«. Hier ist alles als persönliches Handwerk der vier Frauen und derer Freunde zu verstehen. Von selbst designten Tischen, Fließ- und Wandputzarbeiten bis hin zu selbst eingerissenen und neu eingezogenen Wänden ist alles dabei. Beim Rundgang durch das Hostel spürt man immer eine gemütliche und familiäre Atmosphäre. Hier werden gern neue Impulse verwirklicht oder Kunstwerke ergänzt. Die kleinen Bilder an den Wänden der Flure beispielsweise stammen von einer italienischen Künstlerin, die als Gast im Hostel übernachtet hat. Das gemeinsame Hostel-Baby ist laut Gabriela mittlerweile ein Teenager und kann somit auch schon »mal allein gelassen werden.«

An der Bar © Kinga Bartczak

Das Herzstück des Hostels ist der Aufenthaltsraum. Drei, vier Holztische, einige Samtcouchen und -sessel im Retro-Vintage-Look befüllen den Raum und sorgen für Gemütlichkeit hoch zehn. Die Wand ziert eine flächendeckende Illustration des Künstlers Fabian Lehnert, welche eine verspiegelte Tier – und Pflanzenwelt abbildet An der Seitenwand ist ein Bücherregal eingesetzt, daneben leuchtet eine Stadtkarte von Leipzig. Diese Atmosphäre lädt zum Entspannen, Lesen eines Buches oder auch zum Zuhören bei diversen kulturellen Veranstaltungen ein. Zweimal war das Hostel und Garten Eden bereits ein Leseort für Leipzig liest. Schon vor der offiziellen Eröffnung verwandelte sich die Baustelle zu einem Lesesalon. In diesem Jahr findet im Rahmen der Buchmesse eine Lesung des Verlags Edition Überland statt. Ein ganz neuer Leipziger Verlag der erst Ende 2018 sein erstes Buch herausgebracht hat. Außerdem wird eine Hörbuchlesung in Zusammenarbeit mit Geräuschkulisse veranstaltet. Das Hostel ist durch die vielen Details der Einrichtung und nicht zuletzt durch die Leidenschaft der Betreiberinnen ein ganz besonderer Ort und für die Gäste bestimmt wie ein kleines Paradies im Leipziger Westen.

Hostel & Garten Eden
Demmeringstraße 57
04177 Leipzig
https://www.eden-leipzig.de/

Beitragsbild: © Kinga Bartczak


Die Rezensenten:

Kinga Bartczak, Maria Kloß

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