Kein Sozialdrama

Armin Kaster liest aus seinem neuen Jugendroman »Winterauge«.

Romane können während des Schreibens eine Wendung nehmen, die der Autor gar nicht hat kommen sehen, und plötzlich wird ein ganz anderer Schuh draus. So war es auch, als Armin Kaster seinen neuen Jugendroman »Winterauge« schrieb. Über zehn Jahre hatte er die Geschichte des jungen Arthur mit sich herumgetragen. Als er sie endlich zu Papier brachte, nahm sie an einigen Stellen eine völlig andere Form an, als er erwartet hatte.

Anstatt sich zu einem klassischen Sozialdrama zu entwickeln, bringt »Winterauge« den Leser dazu, die verschiedenen Schichten unserer Gesellschaft mal anders zu betrachten. Während man in einem Jugendlichen, der auf der Straße lebt, meist nur das Scheitern sieht, ist es für den fünfzehnjährigen Protagonisten ein Gefühl von Freiheit und Glück. Arthur, der eigentlich aus guten Verhältnissen stammt, schafft es erst auf der Straße, zu sich selbst zu finden und aus seinem goldenen Käfig mit englischem Internat und alljährlichen Urlauben auszubrechen. Erst zwischen Dreck, Kälte und Armut findet der Junge zu seinem emotionalen Selbst.

© Jungbrunnen
© Jungbrunnen

Auf der Buchmesse entscheidet sich Kaster dafür, mit prägnanten Stellen sowohl die Hauptfigur Arthur als auch dessen Vater dem Publikum etwas näher zu bringen. Dass der Autor und Pädagoge viel Spaß am Vorlesen hat, merkt man sofort. Enthusiastisch und gestenreich überzieht er mit der Lesung locker den geplanten Zeitrahmen und steht danach seinen Fans für Autogramme und Fragen bereitwillig zu Verfügung. Auch aus dem hohen Lärmpegel, der an diesem Samstag in der Messehalle herrscht, macht Kaster sich nichts. Ebenso wenig lässt er sich nicht davon aus der Ruhe bringen, dass das Publikum im Österreichischen Kaffeehaus einem wuseligen Haufen gleicht, und einige nur dort sind, um einen Cappuccino zu trinken.

Arthurs Schicksal und das Ende seiner Geschichte bleiben an diesem Nachmittag natürlich offen. Eine Fortsetzung wird es nicht geben. Dafür sei er einfach zu froh, die Geschichte endlich los zu sein, so Kaster am Ende der Veranstaltung. So bleibt »Winterauge« ein Einzelband, der zwar für Jugendliche gedacht, aber durchaus für jeden Erwachsenen geeignet ist.

Beitragsbild: Armin Kaster (links) und Moderator Roman Kollmer. © Caroline Johanna Werner


Die Veranstaltung: Armin Kaster liest aus Winterauge, Moderation: Roman Kollmer, Buchmesse, Österreich Kaffeehaus, 25.3.2017, 14.30 Uhr

Das Buch: Armin Kaster: Winterauge. Jungbrunnen, Wien 2017, 168 Seiten, 15,95 Euro


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Die Rezensentin: Caroline Johanna Werner

 


 

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