Kaum mehr Luft zum atmen

Ich treffe Maria vor dem Deutschen Literaturinstitut. Sie ist gebürtige Leipzigerin und besuchte seit ihrer Schulzeit die Buchmesse. Eigentlich.

Leipzig Lauscht: Warst du im letzten Jahr auf der Buchmesse?

Maria: Nein, war ich nicht …

Leipzig Lauscht: Warum nicht?

Maria: Hm, ich habe mich vor ein paar Jahren entschieden, nicht mehr auf die Buchmesse zu gehen, da ich die Besucher*innen nicht mehr so entspannt finde.

Leipzig Lauscht: Was hat sich deiner Meinung nach verändert?

Maria: Der Anteil der vielen Manga-Fans ist für mich einfach zu groß geworden. Es ist seitdem sehr überfüllt, da die Gänge dafür genutzt werden, Fotos zu machen und zu posieren, es gibt kaum mehr Luft zum Atmen. Das stört mich, wenn ich einfach nur von Stand zu Stand schlendern und mir Bücher angucken möchte. Und es gibt leider kaum Comics mehr, sondern fast nur noch Mangas. Ich mochte eigentlich die Comic-Abteilung immer sehr gerne, weil die dort auch andere Sachen angestellt wurden — wie zum Beispiel Graphic Novels. Das ist halt einfach nicht mehr so gegeben bzw. kommt man einfach nicht mehr in die Comic-Halle, weil es so voll ist.

Leipzig Lauscht: Fernab von der Buchmesse, liest du privat noch viel?

Maria: Mein Leseverhalten hat sich in den letzten Jahren schon verändert. Früher habe ich viele Romane gelesen und auch viel Fantasy, bin mittlerweile aber eher bei Fachbüchern hängengeblieben. Also ich lese jetzt weniger zum Spaß …

Leipzig Lauscht: Könnte dich denn vielleicht das Fachbücher-Angebot auf der Messe dann reizen?

Maria: Da habe ich mich ehrlich gesagt nicht so richtig umgeguckt. Das meiste waren dann Fachbücher in die Richtung Medizin und Technik, ich interessiere mich mehr für Design.

Leipzig Lauscht: Also würdest du dir wünschen, dass die Buchmesse etwas künstlerischer wird?

Maria: Ein bisschen mehr Kreativität würde ich schon schön finden. Das Angebot an Lesungen ist natürlich toll, ich kann es leider auch zeitlichen Gründen selten wahrnehmen.

Leipzig Lauscht: Abschließend: Eine kurze Zukunftsvision für die Welt der Bücher …

Maria: Leider glaube ich die Bücherindustrie steht auf dem absteigenden Ast. Früher habe ich viel Fantasy gelesen, doch ich finde nicht gut was die großen Verlage alle machen, weil oft die gleiche Geschichte gekauft wird, meistens dann in drei Bänden, die ständig weiter ausgeschlachtet wird. Das wird eben nur gemacht, um Geld zu generieren. Ich würde mir mehr Chancen für junge Autor*innen und Künstler*innen, sowie mehr Mut in den Verlagen wünschen.

 

Coverfoto © Friederike Klose


Interviewerin:

 

 

Maren Schleimer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.