»Kaffee statt Aspirin« – Die Kulturapotheke

Bistro – Buchhandlung – Bühne

Schon viel von der KuApo gehört, aber noch nie da gewesen? So ging es uns ebenfalls. Deshalb haben wir uns für euch mal eines der kultigsten Lokale Leipzigs angeschaut.
Wo treffen Literatur, Medizin und Kaffee aufeinander? Ganz klar: Diese drei Dinge lassen sich eigentlich nur an einem einzigen Ort vereinen – und zwar in der Kulturapotheke im Leipziger Osten. Denn: wo früher Nierentees und Tabletten über den Ladentisch gingen, wird heute leckerer Latte macchiato serviert und in ausgewählten Büchern gestöbert – und das direkt auf der berühmt-berüchtigten Eisenbahnstraße.

KuApo © Nolte & Bode

Bereits vor 128 Jahren hat genau an dieser Stelle die Falken-Apotheke ihre Pforten geöffnet. Ihrem Stil und Motto ist man bis heute treu geblieben. Fast die komplette Einrichtung ist noch original erhalten, was Besucher schon beim Eintritt an alte Zeiten erinnert – so übrigens auch uns. Jede Menge Stuck, verzierte Säulen, dunkle Eichenholzmöbel und gedämmtes Licht verstärken den Eindruck und versetzen uns von Anfang an ins Staunen. Wo auch immer man hinsieht – zu entdecken gibt es hier jedenfalls eine Menge. Neben liebevoll ausgesuchten Bildern, Büchern und Retro-Radio laden die heimeligen Sofas à la Omas Kaffeekränzchen schon optisch zum gemütlichen Lesen, Quatschen und Bleiben ein (oder, wenn es nach uns geht, am besten alles zusammen). Limo bekommt man in der KuApo übrigens ausschließlich aus ausrangierten Apotheker-Messbechern, was den Besuch wirklich einzigartig macht und das Konzept komplettiert. Außerdem zählen Nachhaltigkeit, Fair-Trade-Produkte und täglich frische Gerichte auch hier zum Aushängeschild, was das Schlemmen und Schlürfen ohne schlechtes Gewissen zulässt.
Doch das »Ku« in KuApo kommt natürlich nicht von irgendwoher: denn hier wird kultur noch großgeschrieben. Regelmäßig werden Musiker, Autoren und kleine Theaterensembles eingeladen, die den Gästen mit ruhigen Live-Beats, einer intimen Lesung oder unkonventionellen Stücken einen chilligen Abend bei Kerzenschein und leckeren Getränken bescheren. Aber auch jede Menge Bücher, die im Lokal gelesen oder gekauft werden können, stehen den Gästen jederzeit zur Verfügung.
Das Konzept dahinter ist so einfach wie erfinderisch: David Groebner, gelernter Buchhändler und der Erfinder der KuApo, hat bereits vor zehn Jahren den Wunsch gehabt, Kultur, Literatur und Kaffee zu verbinden – und das am liebsten auf der Eisenbahnstraße, weil es dort seiner Meinung nach zu wenig Literatur gebe. Dabei sei die ehemalige Falken-Apotheke zwar Zufall – aber ebenso Liebe auf den ersten Blick gewesen.
Bei unserem Besuch konnten wir beobachten, dass die Kulturapotheke mittlerweile mehr als nur ein weiteres Lokal in Leipzig ist. Hier kommt man zusammen, liest entspannt ein Buch, hat sein erstes Date, wertet das Semester aus oder trifft sich zum wöchentlichen Stammkneipen-Spieleabend in großer Runde. Dabei fällt vor allem eines auf: den typischen Ku-Apo-Gast gibt es nicht. Und das ist auch gut so, meinen die Betreiber. Vor allem auf Freundlichkeit, Vielschichtigkeit und Offenheit wird großen Wert gelegt. Beispielsweise findet jeden Dienstag die »Küfa« statt, also die Küche für alle, bei der jedem Gast, selbst für wenig Geld, eine warme und abwechslungsreiche Mahlzeit geboten wird. Dann wird sich gegenseitig geholfen, sowie mit einer großen Portion Neugier und Begeisterung gern mal äthiopische, indonesische oder argentinische Gerichte gekocht, ganz nach dem Motto: »Bei uns ist jeder willkommen.« Das verbindet, macht Lust auf den nächsten Besuch und schmeckt dazu noch richtig lecker.

© Nolte & Bode

Unser Fazit: Die KuApo ist  derzeit eines der kultigsten Lokale Leipzigs und schon jetzt einer unserer absoluten Lieblingsplätze. Recycelte Möbel mit Geschichte, ordentlich Wow-Faktor durch die einzigartige, so wunderbar positive Atmosphäre und ein witzig umgesetztes Konzept. Das macht einfach Spaß sowie Lust auf mehr. Und: Gute Nachrichten – auch zur Leipziger Buchmesse 2019 ist die Kulturapotheke wieder mit dabei. So lang werden wir mit unserem nächsten Besuch sicherlich nicht warten können.


Rezensentinnen:

 

 

Eva Nolte

 

 

 

 

Annika Bode

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