Junge Autoren: David Woźniak im Gespräch

Der 25-jährige Medizinstudent David Woźniak ist Autor und viel auf den Lesebühnen Leipzigs unterwegs. Seinen Debütroman »Juleika Lippenrot« stellt er auf der Buchmesse vor. Ein Gespräch mal nicht über die Tatsache, dass auch Medizinstudenten Autoren sein können, sondern über Frauen, Schreiben und Leipzig.

 

Warum schreibst du über Frauen?

Ich habe als Thema vor allem die ganze Zwischenmenschlichkeit und Liebesthematik gewählt. Es geht mir dabei nicht explizit um einen männlichen Blick auf die Frau, sondern sehr viel eher um Beziehungen zwischeneinander. Letztes Jahr auf meiner Lesetour mit Theresa Fuls hatte sie unter anderem Teile meiner Geschichten vorgelesen. Da erkannte man noch deutlicher, dass das Geschlecht nicht wirklich eine Rolle spielt.

In der Kurzgeschichte »Juleika Lippenrot« geht es aber doch um einen sehr männlichen Blick auf die Frau, da diese Frau extrem weiblich und einschüchternd auf den Protagonisten wirkt.

Ja das stimmt, in dieser Geschichte geht es sehr explizit um den Typus der »nouvelle-vague«- Frau, fast schon karikiert, und die daraus resultierende Überforderung des Protagonisten. Das ist eine sehr klare Darstellung, das ist richtig, das hat mir aber auch Spaß gemacht, das so überzeichnet zu schreiben.

Ist das dann eine Form von Verarbeitung, Traumata aus der Jugend oder Ähnliches?

Unter diesem Verdacht steht man schnell, wenn man als Mittzwanziger über Mittzwanziger schreibt. Natürlich sind auch biografische Anteile enthalten. Sie bilden den Rahmen für die Geschichten, aber dennoch ist vieles zu großen Teilen fiktiv.

Du bist auch auf diversen Lesebühnen in Leipzig aufgetreten. Welche war denn die Erste?

Mein erster Auftritt war auf keiner klassischen Lesebühne. Ich hatte schon seit vielen Jahren geschrieben und einige dieser Texte auch im Internet veröffentlicht, zum Beispiel auf jetzt.de. Die Resonanz, die ich dort von anderen Usern bekommen habe, hat mir auf jeden Fall Mut gemacht, weiter zu schreiben. Dann hab ich von dem Lesepreis erfahren, der im Rahmen der Buchmesse vor zwei Jahren vom Verband für junge Autoren und Autorinnen vergeben wurde. Daran habe ich dann teilgenommen und gleich den ersten Platz belegt. Danach kam noch im selben Jahr die erste Lesetour »Kaffee, Kuchen, Kitsch und Kippen«, letztes Jahr dann direkt die zweite Tour »Liebe, du Miststück«, bei der Theresa Fuls und ich Texte über die negativen und kalten Seiten der Liebe gelesen haben. In gewissen Sinne ist der Band »Juleika Lippenrot« jetzt auch das Kondensat all dieser Geschichten, aber es sind auch neue Texte enthalten.

Was, würdest du sagen, ist das Besondere an der Leipziger Autoren- und Lesebühnenszene?

Das Schöne ist überhaupt schon, dass diese Szene hier tatsächlich vorhanden ist und dass die Lesebühnen auch alle unterschiedliche Interessen bedienen.

Auf welche Lesebühne in Leipzig gehst du am liebsten?

Ich bin totaler Fan von der Hausdurchsuchung, eine Lesebühne, auf der die Studenten des Deutschen Literaturinstituts lesen. Die Texte sind alle sehr unterschiedlich, aber immer auf einem hohen Niveau. Es macht auch viel Spaß, gerade wenn man oft hingeht, zu sehen, wie sich die Leute innerhalb ihres Studiums in den Texten entwickeln.

In drei Sätzen: Was ist gutes Schreiben für dich?

Word auf. Tippen. Word zu.

Das reicht für gutes Schreiben?

Ich glaube, das ist auf jeden Fall die Essenz. Für mich ist gutes Schreiben, wenn man sich das Geschriebene noch mal durchliest und sich dann nicht schämt.

Würdest du sagen, du schreibst gut?

Ob ich gut schreibe, kann ich nicht beurteilen. Ich würde eher sagen, dass ich in den letzten Jahren einfach meine Art zu schreiben gefunden habe, einen Stil. Ob der Inhalt Leuten gefällt, ist wie bei so Vielem Geschmackssache.

Was bedeutet Erfolg für dich als Autor?

Dass Mutti einem auf die Aussage »Ich bring jetzt ein Buch raus« nicht antwortet »Aha. Und wie viel verdienst du damit?«, sondern realisiert, dass es mehr als nur ein Hobby neben dem Studium ist.

Interessant auch für andere junge Autoren: Wie hast du es geschafft, an einen Verlag ranzukommen?

Ich durfte über den Verband junger Autoren und Autorinnen viele Verlage kennenlernen und da war auch der chiliverlag dabei. Selbstinitiative ist sehr wichtig. Nicht nur einfach ein Werk zusammenstellen und dann hoffen, sondern sich auch nach draußen wagen.

Vielen Dank!


Die Veranstaltung: Juleika Lippenrot – ein Suchtraum? Leseinsel Junge Verlage, Halle 5, 18.3.2016, 13 Uhr

Das Buch: David Woźniak: Juleika Lippenrot. chiliverlag, Verl 2016, 108 Seiten, 7,90 Euro


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Die Interviewerin: Louise Kenn

 


 

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