Ist das die Zukunft?

Christine Färber und Simone Unger erfüllen mit ihrem neuen Buch für Frauen Mitte 30 nicht das »Sex and the City«-Klischee, machen aber wirklich betroffen.

© Ch. Links Verlag
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Das Café bau bau ist voll von Menschen, zusätzliche Stühle werden aufgereiht, an der Bar wartet man ewig auf seinen Drink. Entgegen der Erwartungen sind nicht nur Ü30-Frauen anwesend, auch Männer unterschiedlichen Alters finden sich in den Stuhlreihen. Die beiden Leipziger Autorinnen Christine Färber und Simone Unger lesen aus ihrem neuen Buch »Alles auf jetzt: Frauen Mitte 30 über Kinder, Sex und Selbstverwirklichung«, das jetzt schon in die zweite Auflage geht und großen Erfolg genießt. Es wird als Sachbuch bezeichnet, erinnert mich im Verlauf der Lesung jedoch immer mehr an eine Tragikomödie. Als Anfang 20-jährige fällt mir die Identifikation zugegebenermaßen schwer. Alle vorgestellten Charaktere des Buches treten in ihren 30ern an einen Wendepunkt, an dem sie sich entweder ihrem Schicksal fügen oder neue Wege einschlagen.

Bei ihrer Lesung geben Färber und Unger erstmals Einblicke in die unterschiedlichen Leben dreier Frauen. Eine ist verheiratet, wird von ihrem Mann aber betrogen. Als sie das herausfindet, entwickelt sie eine Lust für das Fremdgehen ihres Mannes. Die zweite Frau wurde in einem Männerkörper geboren, empfand Leggins schon immer als Leuchtturm und verwirklichte sich nach und nach selbst. Dieses Kapitel sticht meiner Meinung nach als Highlight heraus. Denn der darin vorgestellte Lebensweg macht als einziger Mut auch mit Mitte 30 seinen Idealen treu zu bleiben. Das letzte vorgestellte Kapitel handelt von der Angst vor dem Mutterdasein. Die Frage, wie man sein Leben gestalten sollte, ob mit oder ohne Kinder, stimmt die Protagonistin nachdenklich. Letztlich »liebt sie ihre Katze jedoch wie andere ihr Kind«. Zwischen den Kapiteln leitet die Moderatorin Johanna Links immer wieder ein kurzes Gespräch mit Färber und Unger ein, lässt das Publikum aber nicht wirklich daran teilnehmen. Auch nach der Lesung gibt es keinen Dialog zwischen Gästen und Autorinnen, obwohl es im Programm angekündigt war. Mit ihrem selbstbezeichneten »Betroffenen-Verband« scheinen die beiden Frauen aber einen Nerv getroffen zu haben, die Ü30er im Publikum lachen immer wieder aus vollem Halse. Mir ist dagegen eher zum Weinen zumute, wenn ich mir vorstelle, gerade einen Blick in meine Zukunft geworfen zu haben. Wo sind die »Sex and the City«-Momente, die ich erwartet habe? Die glückliche Ehe, in der zwar Kompromisse getroffen werden, aber doch nicht in diesem Ausmaß. Auf mich wirkt die Resignation verstörend.

Simone Unger (links) und Christine Färber (rechts). © Lina Michaelis
Simone Unger (links) und Christine Färber (rechts). © Lina Michaelis

Das Buch soll laut Färber und Unger Frauen Mitte 30 eine Hilfe sein, um herauszufinden, an welchem Punkt ihres Lebens sie sich gerade befinden und was sie eigentlich wollen. Auch wie sie Resignation vielleicht durchbrechen können. Insofern verlassen die Zuhörer die Lesung beschwipst und gut gelaunt, die Bücher sind schnell vergriffen. Mir jedoch werfen sich Fragen auf und deshalb beschließe ich, was alle jungen Leute beschließen: Bloß nicht so zu werden wie die Älteren.

Beitragsbild: © Lina Michaelis


Die Veranstaltung: Christine Färber und Simone Unger lesen aus Alles auf jetzt: Frauen Mitte 30 über Kinder, Sex und Selbstverwirklichung, Moderation: Johanna Links, Cafe bau bau, 25.3.2017, 19 Uhr

Das Buch: Christine Färber und Simone Unger: Alles auf jetzt: Frauen Mitte 30 über Kinder, Sex und Selbstverwirklichung. Ch. Links Verlag, Berlin 2017, 200 Seiten, 18 Euro, E-Book 9,99 Euro


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Die Rezensentin: Lina Michaelis

 


 

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