Inspirierende Persönlichkeit(en)

Heinrich Peuckmann liest im Restaurant Canito aus seinem Roman »Die lange Reise des Herrn Balzac«.

© Lychatz Verlag
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Wer am Freitagabend das Canito auf der Leipziger Gottschedstraße betritt, wird zunächst stilvoll empfangen. Jazzmusik, gedämpftes Licht und klirrende Weingläser. Die Atmosphäre ist herzlich und familiär unter denen, die gekommen sind, wenn Autor Heinrich Peuckmann im Rahmen von Leipzig liest seinen Roman »Die lange Reise des Herrn Balzac« vorstellt.

Es wird die Geschichte eines Menschen der Vergangenheit erzählt: Honoré de Balzac, französischer Schriftsteller, weltbekannt für seine Werke des Romanzyklus »La Comédie humaine«. Im September des Jahres 1847 macht sich Balzac auf den langen Weg von Paris in die Ukraine. Zu Eva Hańska soll ihn seine Reise führen, eine ukrainische Großgrundbesitzerin, Bewunderin seiner Romane und außerdem die Frau seines Lebens. Davon ist der fast 50-jährige Balzac überzeugt, ebenso wie von der Aussicht mit ihr endlich die Erfüllung seines Lebens zu erfahren.

Die historische Figur des Honoré de Balzac wirkt in Peuckmanns Roman lebendig und zugänglich und das auch noch rund 170 Jahre nach seiner Zeit. Peuckmanns Balzac ist Schriftsteller, ein wenig eigensinnig, herrlich theatralisch. Er ist ein Mensch in den späteren Jahren seines Lebens, der weiterhin an die Liebe glaubt und das mit Leidenschaft, die heutzutage manch einem jungen Menschen fern zu sein scheint. Er ist, nach zahlreichen mitreißenden Erlebnissen, Begegnungen und Fehlschlägen, weiterhin überzeugt vom Schicksal, von der Liebe und dem Leben selbst. Eine Philosophie, an der man sich egal in welchem Alter, egal in welcher Zeit ein Beispiel nehmen sollte.

Heinrich Peuckmann. © Lukas Peuckmann
Heinrich Peuckmann. © Lukas Peuckmann

Ebenfalls inspirierend ist der Autor Heinrich Peuckmann selbst. In seinem Roman zeigt sich nicht nur seine Begeisterung für das Thema, das ihn, wie er zu Beginn der Lesung zugibt, schon seit jungen Jahren bewegt hat. Die Detailverbundenheit der Erzählung ist das Ergebnis der tiefgründigen Recherche des Autors, die in »Die lange Reise des Herrn Balzac« feinsinnig zu einer bewegenden Geschichte zusammengefügt wird. Peuckmann weiß Bescheid über den französischen Schriftsteller, den er zu seinem Protagonisten gemacht hat. Er beantwortet Fragen und wirft immer wieder Anekdoten ein, als berichte er von einem alten Freund: von Balzac, der 30 Tassen Kaffee in der Nacht trinkt um wach zu bleiben, von Übergewicht und Liebesaffären, oder mit welchen Mitteln man sich vor den gefürchteten Gerichtsvollziehern versteckt hat. So wird ein Mensch des 19. Jahrhunderts greifbarer, als jede Biografie ihn hätte machen können.

Peuckmann nimmt schlussendlich mit einem Lächeln den Applaus am Ende einer vertraulichen und entspannten Lesung entgegen. Nächstes Jahr, bemerkt er noch, sei er wieder in Leipzig zugegen, gleicher Ort, gleiche Zeit. Dann mit einem neuen Kriminalroman. Nach einem gelungenen Abend ist das ein Termin, den man sich auf jeden Fall schon für das kommende Leipzig liest vormerken kann.

Beitragsbild: Heinrich Peuckmann (Mitte) liest im Restaurant Canito aus seinem Roman. © Madeleine Kardetzky


Die Veranstaltung: Heinrich Peuckmann liest aus Die lange Reise des Herrn Balzac, Moderation: Sven Lychatz, Canito, 24.3.2017, 20 Uhr

Das Buch: Heinrich Peuckmann: Die lange Reise des Herrn Balzac. Lychatz Verlag, Leipzig 2016, 125 Seiten, 19,95 Euro


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Die Rezensentin: Madeleine Kardetzky

 


 

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