Pseudoesoterisches Brimborium wird zu apokalyptischer Wirklichkeit

Eine Lesung mit Wolfgang Hohlbein zu seinem neuen Endzeitroman »Armageddon« in der Buchhandlung Ludwig.

Eine Berühmtheit unter den deutschen Autoren verschlägt es nach Leipzig. »Es ist mir eine große Ehre, den Großmeister der deutschen Fantasyliteratur heute begrüßen zu dürfen. Meine Damen und Herren: Wolfgang Hohlbein!« Mit diesen Worten begrüßt ihn die Filialleiterin der Buchhandlung Ludwig, und wie ein Fantasy-Superstar sieht der Erfolgsautor auch wirklich aus, mit seiner schwarzen Lederjacke, dem grauen Vollbart, langen dunklen Haaren und der großen Lesebrille.

Eine Gesamtauflage von 40 Millionen Büchern und über 150 Bestseller machen den deutschen Schriftsteller zu einem Mann der großen Taten. Ein Mann großer Worte ist er aber nicht. Zum Buch merkt er nur kurz an, dass es diesmal kein typischer Fantasyroman ist, sondern ein Endzeitroman, der den biblischen Weltuntergang ins Hier und Jetzt überträgt. Und sollte er sich beim Lesen verhaspeln, dürfe das Publikum ihm das nicht verübeln, denn das Buch sei erst seit ein oder zwei Tagen auf dem Markt und er kenne es auch noch nicht. Dabei blickt er spitzbübisch in den Zuschauerraum, bevor er seine große Lesebrille zurechtrückt und anfängt vorzulesen.

© Piper Verlag
© Piper Verlag

Die Bibel? »Das ist doch bloß pseudoesoterisches Brimborium.« Das meint Beka, die Protagonistin aus »Armageddon«, im Flugzeug nach Tel Aviv auf dem Weg zu ihrem Gelegenheitsflirt. Der heißt Lukas »Luke« Morgenstern, ist ganz in schwarz gekleidet und sieht süß, aber gefährlich aus. Was wie der normale Anfang einer Klischeeliebesgeschichte klingen mag, entpuppt sich bald mit einer dramatischen Wendung als Endzeitkatastrophenroman. Das Flugzeug wird nämlich plötzlich von einem israelischen Militärflugzeug verfolgt, und dann zerstört ein Atomblitz einen großen Teil Israels. So abrupt endet der Prolog und auch die Lesung von Hohlbein.

Wahrscheinlich will er keine Stellen aus der zentralen Handlung vorlesen, um Neugier zu erzeugen. Aber das eigentliche Abenteuer von Beka und Lukas, die sich plötzlich unversehrt vom Unglück in einer Höhle unter der Erde wiederzufinden und als Auserwählte die letzte Schlacht »Armageddon« bestreiten müssen, bleibt dem Publikum somit ganz vorenthalten. Richtige Spannung kann sich leider gar nicht erst aufbauen. Wünschenswert wäre gewesen, nicht den ganzen Prolog, sondern aus ausgewählten Kapiteln Ausschnitte zu hören.

So findet das Publikum in der anschließenden Fragerunde etwas überrumpelt auch keine Fragen zum Buch. Kein Wunder, viel haben wir nicht erfahren. Wolfgang Hohlbein beendet sodann die Veranstaltung mit den Worten, die peinliche Stille nicht noch mehr verlängern zu wollen. Wer noch ein Autogramm haben will, der solle sich doch jetzt anstellen. Da ist er wieder, dieser trockene Humor.

Und so kollektiv die Zuhörerschaft keine Fragen stellen wollte, so kollektiv stellen sie sich mit ihrer Ausgabe von »Armageddon« an, um ein Autogramm von Hohlbein ergattern zu können, ihrem Superstar der deutschen Fantasy-Literatur.

Beitragsbild: Wolfgang Hohlbein liest vom Ende der Welt. © Leora Koch


Die Veranstaltung: Wolfgang Hohlbein liest aus Armageddon, Buchhandlung Ludwig, 4.10.2017, 19 Uhr

Das Buch: Wolfgang Hohlbein: Armageddon. Piper, München 2017, 608 Seiten, 24 Euro, E-Book 18,99 Euro


 

 

Die Rezensentin: Leora Koch

 


Facebooktwitter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.