Die sechs Frauen des Künstlers

Im Haus des Buches Leipzig liest Markus Orths aus seinem Roman »Max«, bevor der Dokumentarfilm »Max Ernst« von Peter Schamoni gezeigt wird.

Der Künstler Max Ernst sagte einst: »Die Nacktheit der Frau ist weiser als die Lehre der Philosophen.« Als er 1976 in Paris starb, hatte es sechs zentrale Frauen in seinem Leben gegeben. Frauen, die die wichtigsten Abschnitte seines Lebens begleiteten und ihn maßgeblich beeinflussten. Was hiervon zu erzählen ist, kann man im neuen Roman »Max« von Markus Orths nachlesen.

Das Buch konstruiert, mithilfe eines auktorialen Erzählers, chronologisch das Leben des Künstlers Max Ernst. Alle sechs Kapitel sind jeweils einer Frau gewidmet. Markus Orths sagt während der Lesung, dass so »aus der Multiperspektive der Frauen und der Menschen, die Max Ernst wichtig waren, Max’ Gesamtbild« entsteht. Die erzählte Zeit erstreckt sich von Ernsts Kindheit im Jahr 1896 bis zu seinem Tod.

Markus Orths (links) und Michael Hametner (rechts). © Caroline Elkan
Markus Orths (links) und Michael Hametner (rechts). © Caroline Elkan

Markus Orths wirkt zu Beginn der Lesung zunächst distanziert. Er hat die Arme verschränkt und einen nachdenklichen Blick. Geboren wurde er 1969, erst arbeitete er als Fremdsprachenassistent, dann als Lehrer und nun als erfolgreicher Autor. »Max« ist bereits sein achter Roman. Er stellt ihn heute ungefähr 60 Zuhörern vor, größtenteils mittleren Alters, vereinzelt aber auch Mittzwanziger. Es herrscht eine zurückhaltende Ernsthaftigkeit und dennoch wird vereinzelt gelacht.

Ohne Umschweife beginnt Orths vorzulesen. Er geleitet das Publikum chronologisch durch drei Momentaufnahmen: der kindliche Max und seine Abkehr von Gott, der im Dadaismus neugeborene Max nach dem Ersten Weltkrieg und schließlich Max im Zweiten Weltkrieg auf der Flucht nach Spanien.

© Hanser Verlag
© Hanser Verlag

Die Frauen, die die Meilensteine des Buches vorgeben, spielen in den vorgetragenen Passagen keine Rolle. Der Moderator Michael Hametner nutzt dies und verwickelt Orths in ein Gespräch. Über die Frauen im Roman, die Glaubwürdigkeit der Quellen sowie Max’ Faszination für die Kunst der Geisteskranken. Orths reagiert eloquent. Er erzählt Anekdoten und teilt seine Gedanken mit dem Publikum. So fängt das Gespräch den kurzen Leseanteil wieder auf.

Die Buchvorstellung geht zu Ende, aber ein Manko bleibt: Das Publikum ist lediglich ein stummer Beobachter. Jegliche Interaktion verläuft ausschließlich zwischen Orths und dem Moderator. Die Veranstaltung wirkt dadurch starr, und es bleiben Fragen zurück. Sie geraten jedoch durch den direkt im Anschluss gezeigten Dokumentarfilm von Peter Schamoni aus dem Jahr 1991 in Vergessenheit. Dennoch: Eine Lesung von einer knappen Stunde und ein Film von 90 Minuten: Mehr braucht es an diesem Abend nicht, um den faszinierenden Max Ernst und seine Zeit wieder lebendig werden zu lassen.


Die Veranstaltung: Markus Orths liest aus Max. Sechs Frauen, sechs Lieben, ein Jahrhundert, Moderation: Michael Hametner, Haus des Buches, 4.9.2017, 19.30 Uhr

Das Buch: Markus Orths: Max. Hanser Verlag, München 2017, 576 Seiten, 24,00 Euro, E-Book 17,99 Euro


 

 

Die Rezensentin: Caroline Elkan

 


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