Mut und Meerschweinchen beim Selfpublishing

Unsere Redakteurin Janna ist nur für zwei Semester in Leipzig. Sie studiert eigentlich in den Niederlanden. Für »Leipzig lauscht« schreibt sie über den Trend in ihrem Heimatland, ein Buch im Selbstverlag herauszubringen.

Wenn die Verlage dein Buch nicht veröffentlichen möchten, warum sollte man das dann nicht einfach selber machen? Nachdem Paulien Cornelisse zwei Bücher bei einem Verlag publiziert hatte, veröffentlichte die Autorin und Kabarettistin Anfang 2016 ihr neues Buch »De verwarde cavia« (»Das verwirrte Meerschweinchen«) im Selbstverlag. Und damit war sie nicht allein. Immer mehr Autoren entscheiden, dass sie die traditionellen Verlage nicht mehr brauchen. Reinold Vugs publizierte beispielsweise schon fünf Romane und Sachbücher im Eigenverlag, und Ton Vogels brachte seinen zweiten Roman »Wolfskind« selber heraus. Diese drei Autoren sind nur ein kleiner Teil der Schriftstellergemeinde, die sich dazu entschließt, ohne Verlag zu arbeiten. Natürlich waren Cornelisse und Co. schon bekannt in der literarischen Welt. Aber ist dieses Modell nicht die Lösung für alle Schriftsteller, die mit ihren Manuskripten bei den regulären Verlagen kein Vertrauen finden? 2016 wurden immerhin mehr als 6.700 Bücher über die drei größten niederländischen Selfpublishing-Plattformen herausgegeben. Eine Steigerung von gut 1.700% im Vergleich zu 2011!

Gibt man mal den Begriff »Selfpublishing« bei Google ein, findet man zahlreiche Erfolgsgeschichten von Autoren, die ihre Bücher im Eigenverlag auf den Markt gebracht haben, nachdem sie von traditionellen Verlagshäusern abgewiesen wurden. Sollten wir also jetzt alle massenhaft anfangen, Bücher zu schreiben? Oft vergisst man allerdings, dass der Verlag nicht nur das Buch druckt. Der Mehrwert eines Verlags besteht in seiner Erfahrung, die Inhalte aufzubereiten, in seinem Kontakt zu Buchhändlern und seiner Marketingexpertise. Dass Paulien Cornelisse hinter den Kulissen einige Professionals eingestellt hatte – einen für die Buchführung und einen für die Webseiten –, wird häufig nicht erwähnt.

Wer es trotz des hohen Aufwands versuchen möchte, hat einen großen Vorteil: Der Entstehungsprozess des Buches bleibt komplett in Eigenregie. Man kann also selber den Stil und die Gestaltung bestimmen. Hinzu kommt die Rechtefrage. Schließlich gibt man die Eigentumsrechte von etwas, an dem man so lange gearbeitet hat, nicht gerne so einfach ab. Die Rechte zu behalten, ist vor allem von Vorteil, wenn das Buch gut verkauft wird. Denn dann bekommt man den Gewinn auf sein Konto eingezahlt, ohne dass ein Teil beim Verlag landet.

Möchtest Du einen Versuch wagen? So fängt man an: Die drei großen niederländischen Selfpublishing-Plattformen heißen Pumbo, MyBestseller und Brave New Books. Die ersten zwei Plattformen sind selbständig, arbeiten aber mit Verlagen zusammen. Brave New Books ist eine Kooperation zwischen MyBestseller, einem Verlag und bol.com, dem niederländischen Äquivalent von Amazon, das aber zu einem Supermarktkonzern gehört. Diese drei Online-Plattformen bieten alle grundlegenden Dienstleistungen für das Publizieren eines Buchs an: Coaching beim Schreiben, Redigieren, Public Relations, Drucken und so weiter. Die Plattformen sind einfach zu bedienen. Die Kosten können aber beträchtlich steigen, je mehr Dienstleistungen man dazukauft. Somit ist es nicht überraschend, dass Bücher von Selfpublishern mit einem Durchschnittspreis von 16,15 Euro weit über dem durchschnittlichen Buchpreis von 12,81 Euro liegen. Das hängt vor allem mit der niedrigen Anzahl der verkauften Exemplare und mit den hohen Kosten des Print-on-Demand-Verfahrens zusammen.

Wer sich die Druckkosten sparen will, kann überlegen, ein E-Book herauszubringen. Über das Publizieren eines E-Books könnte man allerdings schon wieder einen neuen Artikel schreiben. Was am Schluss aber noch erwähnt werden sollte: Jeder dritte Selfpublishing-Titel ist ein Sachbuch. Das sind die grundsätzlichen Überlegungen, bevor der Selbstverlag starten kann. Schließlich brauchst du nur noch das gewisse Etwas, um deine Leser zu begeistern, Marketingkenntnisse und vor allem: eine große Portion Mut.

Beitragsbild © freestocks.org


 

 

Janna Kamphof

 


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