Swingende Eleganz trifft provokante Alltagslyrik

Marco Tschirpke und Uli Singer & Band sorgen für eine kabarettistisch-musikalische Umrahmung beim Sommerfest im Haus des Buches.

Stilecht und charmant ertönt die Jazzmusik der kleinen Big-Band Besetzung unter der Leitung Uli Singers im Garten des Literaturcafés. Dass der heutige Abend wider Erwarten nicht ins (Regen-)Wasser fällt, scheint pures Glück zu sein. Umso schöner, dass die neu arrangierten Klassiker des Leipziger Gitarristen an diesem Abend bis weit über die Dächer des Literaturhauses klingen und die frische Sommerluft rund um den Gutenbergplatz erfüllen.

Die anwesenden Gäste lassen sich schwer in eine Schublade stecken. Ein buntgemischtes Publikum flaniert durchs Grüne und lässt sich hier und da in den liebevoll dekorierten Ecken des Gartens auf ein Pläuschchen nieder. Passend zum Motto des Festes »Tanzt der Abend mit der Nacht« liegt ein Geruch aus Weinschorle, Grillkohle und sommernächtlicher Leichtigkeit in der Luft.

Diese Leichtigkeit jedoch soll nicht lange währen, denn etwas Derbes, ganz und gar Unverfrorenes ist im Anmarsch. Adé Romantik – Hallo Marco Tschirpke. Die Veranstaltung wird kurzzeitig in den Lesungsaal des Literaturhauses verlegt – Klavier und potenzieller Regen vertragen sich eben doch nicht so gut. Was sich jedoch gut verträgt, ist der Klavierkabarettist und das Publikum. Woher die Sympathie? Das kann sich der Wahlberliner wohl selbst nicht erklären. »Es ist so ein Mist, der beklatscht wird, er vermehrt sich«, fügt Tschirpke selbstironisch dem Applaus zu einem seiner Gedichte hinzu, die selten die Minutengrenze überschreiten.

© Harry Schnitger/Ullstein
© Harry Schnitger/Ullstein

»Man solle sich nicht am Sujet überheben.« Diesen Rat Goethes hat der Kabarettist scheinbar zu seinem Credo erwählt. Er behandelt in seinen urkomischen Texten Themen wie das Staubwischen, den Agrarsektor oder die Rettung der Vanitas. Selten absehbar und doch so präzise und scharfsinnig treffen Tschirpkes Kurzkompositionen den Humor des Publikums. Mit einem verschmitzten Lächeln präsentiert der bekennende Peter-Hacks-Fan kontroverse Phrasen, die so pointiert wie kaum sonst eine Aussage ankommen. Die Art und Weise, wie der studierte Pianist dabei seine Eigenkompositionen musikalisch gegen die Wand fährt, zeugt von hoher Kunst. Eine eigensinnige Mischung, die ihresgleichen sucht.

Die ungewöhnliche Kombination aus Uli Singers swingender Eleganz und Marco Tschirpkes provokanter Alltagslyrik verleiht dem Abend einen besonderen Charme. Durch den kurzzeitigen Wechsel der Location und Tschirpkes prägnante Wortwahl schlägt der Verlauf des Abends einen erfrischend anderen Weg ein und führt letztendlich doch zu einem vergnüglichen Ende im Kerzenschein. Um es mit Tschirpkes Worten zu beschreiben: »Wenn Sie heute Abend einen roten Faden suchen, können Sie sich viel Zeit sparen, indem Sie es lassen.«

Beitragsbild: Garten des Literaturcafés auf dem Sommerfest im Haus des Buches. © Maria Flamm


Die Veranstaltung: Sommerfest im Haus des Buches mit Marco Tschirpke und Uli Singer & Band, Literaturcafé/Garten im Haus des Buches, 14.7.2017, 19.00 Uhr


 

 

Die Rezensentin: Maria Flamm

 


 

 

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