Kolumne: Bücher – die Festplatte für Urlaubserinnerungen

Warum die Wahl der Ferienlektüre nicht unterschätzt werden sollte.

Der Sommer ist da. Es ist Ferienzeit und dies bedeutet für all die Lesehungrigen, mit einem guten Buch endlich mal wieder richtig abzuschalten. Ob selbst gelesen oder vorgelesen, spielt da keine Rolle. Auch für mich geht es in zwei Wochen für eine Weile nach Frankreich, und ich bin auf der Suche nach einer spannenden Urlaubslektüre.

Ich scrolle durch Bestsellerlisten, suche nach Inspiration auf den Feuilletonseiten meiner Wochenzeitung und klicke mich durch diverse Buchblogs mit Empfehlungen für leichte oder spannende Sommerkost. Bis jetzt habe ich mich immer noch nicht entschieden, welcher Schmöker mich auf meiner Reise begleiten soll. Die »Gebrauchsanweisung für das Leben« von Andreas Altmann oder doch lieber der neue Roman von Carlos Ruiz Zafón? Die Wahl zwischen meinen Sonnenbrillen, Sommerkleidern und Bikinis fällt mir da entschieden leichter.

Doch meine nicht vorhandene Entscheidungsfreudigkeit hat einen Grund. Die Bücher, die ich während der schönsten Zeit des Jahres lese oder denen lausche, sollen mich nicht nur den Alltag vergessen lassen, sondern sie werden zum Speicher meiner Erinnerungen. Sie werden meine externe Festplatte für Eindrücke, Gerüche, Begegnungen und Panoramen. Um diese wieder zu beleben, greife ich gerne ein zweites oder drittes Mal zum selben (Hör-)Buch.

Wie sehr meine Erinnerungen mit den Geschichten verknüpft sind, wurde mir nach den verhassten Wanderurlauben mit meiner Familie im Allgäu bewusst. Während meine Schulfreunde in Ägypten tauchten oder in Griechenland am Strand lagen, musste ich mich auf Wanderrouten in den bayrischen Alpen quälen. Für mich war das damals die langweiligste und sinnloseste Sommerverschwendung.

Um diese Zeit erträglich zu machen, war mein Discman mein ständiger Begleiter, sowohl beim Kraxeln in den Bergen als auch beim Entspannen am See. Die Stimme von Rufus Beck, die den Harry-Potter-Hörbüchern Leben einhauchte, oder Rainer Strecker, der mich in Cornelia Funkes Tintenwelt entführte, machten diese Zeit für mich spannend und kurzweilig. Und wenn ich jetzt auf diese Zeit zurückblicke und den Stimmen der Sprecher lausche, erinnere ich mich mit einem Hauch von Nostalgie an den Ausblick vom Tegelberg oder die Schlauchbootfahrten auf dem Bannwaldsee.

Viele verschiedene Bücher sind stark mit Erinnerungen behaftet. Jack Kerouac und Coelhos »Alchimist« begleiteten mich durch Australiens Outback. Paolinis »Eragon«-Tetralogie verschönerte verregnete Sommertage, die ich lesend mit einer Tasse Tee im Bett verbrachte. Während ich Kroatien vom Segelboot aus entdeckte, lief Hape Kerkeling den Jakobsweg. Isabel Allendes »Geisterhaus« half mir, Chile noch mal mit anderen Augen zu sehen, und in Portugal lernte ich zusammen mit »Boarderlines« von Andreas Brendt Wellenreiten.

Wenn ich diese Zeiten nochmals Revue passieren lassen möchte, schaue ich mir natürlich auch Fotos an oder spiele die Songs ab, die mich in dieser Zeit begleiteten. Aber am liebsten schlage ich wieder die Bücher auf und tauche in die Geschichten ein, die nun unwiderruflich mit den verschiedenen Orten und Erlebnissen verknüpft sind.

Ein bisschen Zeit habe ich zum Glück ja noch, um eine würdige literarische Reisebegleitung zu finden. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich an diese Zeit zurückerinnern möchte, ist bei den langen und grauen Wintern in Deutschland nicht gerade gering.

Beitragsbild: Lieblingsleseort auf der Segelyacht in Kroatien. © Lukas E


 

 

Die Kolumnistin: Anna Ratajczak

 


 

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