Urlaub für starke Nerven

Martin Gotti Gottschild als Special Guest beim Best of Lesebühne Schkeuditzer Kreuz in der Arena am Panometer.

Vom Mysterium des Begrüßens über den undankbaren Job des Grillmeisters, das Einsamsein in einem anderen Land oder darüber, was einen typischen deutschen Touristen ausmacht – all diese vielseitigen Themen und noch mehr haben die Autoren der Lesebühne Schkeuditzer Kreuz in literarische Texte verpackt, die sie in der Arena am Panometer ihrem Publikum vortragen. An schwarzem Humor und großem Gelächter fehlt es an diesem Abend nicht.

Das Publikum macht es sich mit einem Glas Wein oder Bier in der Hand, eingemummelt in einer Decke bequem und genießt die letzten Sonnenstrahlen, die es durch die zerbrochenen Fenster des alten Gasometers schaffen. Die etwa 400 Gäste jeden Alters warten gespannt auf das, was folgt. Auch auf der Bühne nehmen langsam die Unterhaltungskünstler des Abends gemütlich in den Sesseln Platz: André Herrmann, Julius Fischer, Franziska Wilhelm, Hauke von Grimm und Kurt Mondaugen. Auf die typischen Spielregeln des Poetry Slams, die Texte durch den Publikumsapplaus bewerten zu lassen, wird heute verzichtet. Die Slammer werden allerdings trotzdem mächtig durch Gejohle und Geklatsche belohnt.

Die Autoren tragen nacheinander ihre aus der Ich-Perspektive erzählten, ironisch und fiktiv-biografisch getönten Geschichten aus dem Alltag vor. Als Special Guest begrüßen sie Martin Gotti Gottschild, der seit Jahren auf den Lesebühnen Deutschlands und in seiner eigenen Actionlesung »Tiere streicheln Menschen« in Berlin und anderswo zu sehen ist. Er trägt in schnoddriger Berliner Mundart eine sympathisch schräge Urlaubsgeschichte mit dem Titel »Binz« vor, die er vielleicht so erlebt hat, vielleicht aber auch nicht. Der 40 Jahre alte begeisterte Schnurrbartträger stellt sich in einer Serie von Gags als Leidtragenden der Zumutungen dar, die seine Frau und sein Kind für ihn bereithalten. Dabei gibt er dem Publikum sogar den ein oder anderen Beziehungstipp mit auf den Weg: »Das Geheimnis unserer Beziehung besteht aus zwei Grundpfeilern. Erstens: Wenn wir uns zu Hause mal streiten, dann ausschließlich auf Lateinisch. Und Zweitens: Humor. Wir bringen den anderen auch nach all den Jahren immer noch zum Lachen, wenn wir ihm von unseren Träumen und Wünschen erzählen.« Es bleibt vor Lachen kein Auge trocken, als Gotti seine absurden Storys vorträgt.

Martin Gotti Gottschild als Special Guest auf der Sommerbühne in der Arena am Panometer. © Theresa Nickol
Martin Gotti Gottschild als Special Guest auf der Sommerbühne in der Arena am Panometer. © Theresa Nickol

Nach einer kleinen Pause geht es mit der zweiten Runde weiter. Nicht nur Gotti schafft es, das Publikum zu begeistern: Franziska Wilhelm kommt gerade von ihrem Stipendiumsaufenthalt in Bordeaux zurück und hat ein französisches Liedquiz für das Publikum mitgebracht. Auf der Ukulele begleitend singt sie die Texte und animiert das Publikum zum Mitsingen. Für diejenigen, die erraten können, welcher französische Song hinter ihrer deutschen Übersetzung steckt, hat sie sogar ein kleines Mitbringsel von ihrer Reise als Preis dabei: »Kleine runde Dinger, die man in den Hals einer Rotweinflasche steckt und die verhindern, dass es beim Einschenken tropft.«

Die Stimmung im Publikum und unter den Beteiligten auf der Bühne wird zunehmend locker. Zum Abschluss der Veranstaltung steuert Julius Fischer noch einen musikalischen Beitrag bei. Er singt einen selbstgeschriebenen Song über seine Abneigung gegenüber jeglichen Outdoor-Aktivitäten, der bei den Lauschern hörbar gut ankommt.

Mit vielen großartigen Lachern war dies ein absolut abwechslungsreicher Abend, der gern hätte länger dauern können. Wer noch nicht genug bekommen hat, kann auf dem Weg nach draußen am Büchertisch die gedruckten Werke der Künstler erwerben oder sich auf ein weiteres Sommer-Open-Air mit dem The Fuck Hornisschen Orchestra am 9. Juli freuen.

Beitragsbild: Poetry Slam unter luftigem Dach. © Theresa Nickol


Die Veranstaltung: Best of Lesebühne Schkeuditzer Kreuz, Arena am Panometer, 4.7.2017, 20 Uhr


 

 

Die Rezensentin: Theresa Nickol

 


 

 

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