Das Beste vom Besten

Vier der besten deutschen Slam-Poeten treten in Leipzig gegeneinander an.

Am sonnigen Freitagabend findet in der beeindruckenden Open-Air-Location des ehemaligen Leipziger Gasometers der Best of Best Poetry Slam statt. Während sich die letzten Sonnenstrahlen ihren Weg durch die alten, teilweise zerbrochenen Fenster unter dem Freiluft-Dach bahnen, betritt Nils Straatmann die Bühne. Mit Charme und Witz lockert der Moderator des Abends das Publikum auf und erklärt die Regeln. Vier Slammer werden gegeneinander antreten. Sie sind alle Sieger des Best of Poetry Slams, das der Verein Livelyrix zweimal im Jahr veranstaltet, um die besten Slam-Poeten und -Poetinnen aus ganz Deutschland zu küren. Jetzt also noch mal das Beste vom Besten, auch an diesem Abend entscheidet das Publikum, wer weiterkommt.

Die Bühne ist kitschig gestaltet: Eine Blumenlichterkette aus Plastik reiht sich neben einer goldenen Winkekatze ein, die das Publikum unermüdlich zu grüßen scheint. Bevor die Slammer jedoch die Bühne betreten, erscheint June Cocó und lässt den Abend mit selbstgeschriebenen Liedern beginnen. Ihre alterntiv-künstlerhafte Erscheinung mit roten, hochtoupierten Haaren fügt sich gut ins Bühnenbild ein. Beim zweiten Lied animiert sie das Publikum zum Mitsingen, die Stimmung wird zunehmend lockerer.

André Hermann ist anschließend der erste Slammer des Abends. Sein Text »Abwärts« handelt von seinen Erfahrungen auf einer Hochzeit. Mit sächsischem Dialekt imitiert er seine Eltern, die unermüdlich nach seinem Beziehungsstatus fragen und ihn durch Konfrontationen in die Enge treiben. Hierbei trifft er mit viel Witz genau den Ton der Generation und lässt ein restlos amüsiertes Publikum zurück. Er erhält insgesamt 43 Punkte.

Dalibor Marković hat einen anderen Ansatz. In seinen ersten Sätzen doppeln sich zunächst einzelne Wörter und Silben, bis er in einen Rap-Singsang verfällt. Er ist gleichermaßen Beatboxer und Rapper und begeistert mit einfallsreichen Reimen. Während der Arm der goldenen Winke-Katze eifrig im Takt wippt, performt Dalibor sein Ein-Mann-A-cappella-Stück und begeistert damit das gesamte Publikum. 39 Punkte erzielt er mit seiner Performance.

Blick auf die Best-of-Best-of-Bühne im alten Gasometer. © Sophie Bachelart
Blick auf die Best-of-Best-of-Bühne im alten Gasometer. © Sophie Bachelart

Die junge Tanasgol Sabbagh tritt als einzige Frau in der Runde auf. Sie wählt ein ernsteres Thema. Bei Tanasgol, die iranische Wurzeln hat, geht es um Integrationsprobleme. Sie adressiert einen unbekannten Zuhörer und doch das gesamte Publikum auf einmal, als sie fragt, welchen Unterschied es macht, wo man geboren ist. Tanasgol zeigt uns auf unaufdringliche Art und Weise ihre Welt und lädt dazu ein, zu hinterfragen. 45,5 Punkte erreicht sie mit ihrer Darstellung.

Den Abschluss macht der Slammer Sulaiman Masomi. Sein augenscheinlich ausländisches Aussehen thematisiert er gleich beim Betreten der Bühne, als er meint: »Keine Angst, ich kann Deutsch.« Anschließend entschuldigt er sich auch noch für den »Kanakenoverload« und begeistert mit dem offenen Umgang und einer ordentlichen Portion Selbstironie auch den letzten Zuschauer. Sein Text über die deutsche Grammatik erstaunt durch Detailreichtum und Kreativität und lässt am Ende kein Auge trocken – vor Lachen. Mit 45 erreichten Punkten zieht er neben Tanasgol in das Finale ein.

Tanasgol trägt einen sich teilweise reimenden Text vor, in dem sie dazu auffordert, gegen Ungerechtigkeit aufzustehen. Im Anschluss entwirft sie eine Filmszene, in der ein allumfassendes Du agiert. Sie handelt vom großen Hamsterrad des Lebens und lässt den Zuhörer mit der Frage »Was kommt dann?« nachdenklich zurück.

Der zweite Finalist Sulaiman beginnt mit einer poetischeren Performance, die eine On-Off-Liebe mit vielen Methaphern beschreibt. Daraufhin widmet er sich wieder dem Ausländersein. Wieder kapert er das Publikum mit seiner Selbstironie und findet dabei so viel Witz und Charme, dass sich die Zuhörer vor Lachen nicht mehr einbekommen. Mit Tabubrüchen und der Abwechslung zwischen Poesie und Witz schafft er es letztendlich, das Publikum für sich zu gewinnen und geht als eindeutiger Sieger aus dem Abend hervor.

Beitragsbild: Sulaiman Masomi entscheidet den Best of Best of Slam für sich. © Sophie Bachelart


Die Veranstaltung: Livelyrix präsentiert: Best of Best of Poetry Slam, Arena am Panometer, 30.6.2017, 20 Uhr


 

 

Die Rezensentin: Sophie Bachelart

 


 

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