Auf ein Bier mit Gott

Der Journalist, Kolumnist und Autor Axel Hacke liest in der Schaubühne Lindenfels aus seinem Buch »Die Tage, die ich mit Gott verbrachte«. Mit dabei sind an dem Abend auch der kleine fette König Dezember, die Wumbaba-Trilogie und andere Anekdoten und Kolumnen aus dem Hacke-Alltag.

Zu Beginn stellt Axel Hacke einen alten Herrn aus seinem neusten Buch »Die Tage, die ich mit Gott verbrachte« vor. Dahinter verbirgt sich eine kurzweilige, aber fantasievolle Parabel auf das Leben. An einem nachdenklichen Tag trifft der Ich-Erzähler, der selbst nicht an Gott glaubt, auf jenen alten melancholischen Herrn, der sich als Gott entpuppt. Von nun an passieren allerlei rätselhafte Dinge: Steinlöwen springen durch Zirkusreifen, unbekannte Welten tauchen in Schubladen auf und an der Ecke sitzt plötzlich ein rauchender Hund. Und nebenbei philosophiert der Ich-Erzähler mit Gott bei einem Bier oder einem Spaziergang durch München über die großen Fragen des Lebens. Sie reden über das Gute, das Böse, die Menschen, die Attentate, das Universum und das Zentrum der Welt. Gott fragt: »Kannst du dir vorstellen, dass es Sachen gibt, die du dir nicht vorstellen kannst?« Lässt man sich auf die Spaziergänge mit Gott, dem Erzähler und seinem Büroelefanten ein, regt die Geschichte trotz des leichten und humorvollen Schreibstils zum Nachdenken an.

© Verlag Antje Kunstmann
© Verlag Antje Kunstmann

Das wirklich Schöne an dem Buch sind die Illustrationen. Der Berliner Künstler Michael Sowa schafft es, die Dinge so zu malen, dass auch ein Zigarette rauchender Hund plötzlich normal und selbstverständlich erscheint. Während der Lesung gibt es zwar keine Bilder zu sehen, doch Axel Hacke kennt seine wundersamen Charaktere gut und erweckt sie mit seiner ruhigen Stimme und viel Gespür für Pausen und Tonhöhen zum Leben. Was Gott tatsächlich auf der Erde möchte, lässt der Autor an dem Abend mit einem Verweis auf seinen Bücherverkaufsstand aber offen.

Nach zwei Kapiteln aus »Die Tage, die ich mit Gott verbrachte« wendet sich Hacke dann seinen Kolumnen zu, die er seit über 25 Jahren im Magazin der »Süddeutschen Zeitung« veröffentlicht. Weg von den einfallsreichen, grüblerischen Geschichten, hinein in den Alltag. Die meisten Zuhörer im urigen und gut gefüllten Saal der Schaubühne Lindenfels kennen Axel Hacke und seine Anekdoten schon lange. Denn immer wieder, wenn er zu einem neuen Buch von seinem Stapel greift und zu erzählen beginnt, schmunzeln sie bereits wissend. Als Hacke einen typischen banalen Mann-Frau-Konflikt vorträgt oder die Kleinkindstimme seines Sohnes hingebungsvoll imitiert, kreischt das Publikum vor Lachen. Man merkt, dass der Autor bereits viele Lesungen in diesem Stil hinter sich hat und sehr wohl weiß, wie er das Publikum mit einfachen Gags für sich gewinnen kann. So widmet er den Part nach der Pause ganz seinen Kolumnen, der Wumbaba-Trilogie und Anekdoten aus seinem Leben. Am Ende gibt es viel Applaus, sein Stammpublikum ist begeistert.

Beitragsbild: Axel Hacke in der Schaubühne Lindenfels. © Anna Schmidt


Die Veranstaltung: Axel Hacke: Die Tage, die ich mit Gott verbrachte, Schaubühne Lindenfels, 22.5.2017, 20.30 Uhr.

Das Buch: Axel Hacke: Die Tage, die ich mit Gott verbrachte. Mit Bildern von Michael Sowa. Verlag Antje Kunstmann, München 2016, 102 Seiten, 18,00 Euro


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Die Rezensentin: Anna Schmidt

 


 

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