Ein Aperitivo zur Bluttat

Luis Sellano liest in der Buchhandlung Ludwig aus »Portugiesische Rache«, dem zweiten Band seines Lissabon-Krimis.

Während sich langsam der Abend über Leipzig legt, werden im historischen Speisesaal im Hauptbahnhof letzte Vorbereitungen für das folgende Lesungsprogramm getroffen. Allmählich füllt sich der weitläufige Raum mit zahlreichen Besuchern. Sie dürfen sich an ihren Tischplätzen über kulinarische Spezialitäten freuen: Zu Portwein werden landestypische Antipasti serviert. Es hat sich bereits eine gemütlich-plauderhafte Runde ergeben, als Luis Sellano mit seiner Lesung beginnt. Für ihn sind es heute gleich zwei Premieren: Zum ersten Mal ist er als Autor zu Gast in Leipzig und zudem darf er über sein gerade erschienenes Buch sprechen. »Einen besseren Ort hätte ich mir dafür nicht aussuchen können«, bemerkt er von der Kulisse des Saals sichtlich beeindruckt, bevor er hinzufügt: »Vielleicht mit Ausnahme von Lissabon, aber da können wir ja nicht alle mal so eben hin.« Dafür erntet er zustimmendes Gelächter aus den Zuhörerreihen. Sellanos Liebe zu der Stadt am Tejo entstand nach einer Urlaubsreise, und man nimmt ihm die Begeisterung zu jeder Zeit ab.

Aperitivo zum Krimi. © Karen Müller
Aperitivo zum Krimi. © Karen Müller

Mit ruhiger und gut vernehmbarer Stimme beginnt er, einige abwechslungsreiche Kapitel seinem gespannt zuhörenden Publikum vorzutragen. Vorher umreißt er kurz die Rahmenhandlung: Erzählt wird die Geschichte vom deutschen, etwas zynisch veranlagten Ex-Polizisten Henrik Falkner, der nach dem Umfalltod seiner Frau wegen einer Depression seinen Dienst quittiert. Als er vom Erbe seines in Portugal verstorbenen Onkels Martin erfährt, reist er nach Lissabon und übernimmt ein Mieterhaus mit integriertem Antiquariat, das voller mysteriöser Botschaften über unaufgeklärte Verbrechen steckt. Seinen Stoff hat Sellano auf drei Teile angelegt. Zu Beginn von »Portugiesische Rache«, dem zweiten Band, wird Henrik Zeuge eines bestialischen Mordes an einem Mann namens Ruben Mendes. Mendes hatte zuvor ein Buch im Antiquariat erworben, das nun nicht mehr auffindbar ist. Henrik beginnt zu ermitteln. Dabei wird er nicht nur durch den überraschenden Besuch seines Vaters Albrecht behindert. Auch ein von seinen Widersachern eingefädeltes Entführungsdrama soll ihn dazu bewegen, seine unerwünschten Nachforschungen einzustellen.

© Heyne
© Heyne

Der gut aufgelegte Autor stellt sich nach der Lesung den Fragen des Publikums und berichtet unter anderem begeistert, welch lebensfrohe Mentalität die Portugiesen an den Tag legen. Außerdem verrät er seinen richtigen Namen: Oliver Kern, gebürtig aus Niederbayern. Der Verlag habe ihm aus Marketinggründen zu einem Pseudonym geraten. Das durfte er frei wählen und lehnte es an seinen persönlichen Rückzugsort Sellaño an, der allerdings in Spanien liegt. Ein »Ritterschlag« stellt für ihn der wiederholte Sprung in die Spiegel-Bestsellerliste dar. Denn als Quereinsteiger ohne Literaturstudium bewältigt er sein Schreibpensum neben einem Fulltime-Job im Marketingbereich. Jedoch hege er den beruflichen Traum, sich ausschließlich dem Schreiben widmen zu können.

© Karen Müller
© Karen Müller

Nach der Lesung signiert Luis Sellano. Sein an »Leipzig lauscht« adressierter Gruß soll hier an dieser Stelle erwidert werden. »Muito obrigado« für einen unterhaltsamen Leseabend!

 

 

Beitragsbild: Luis Sellano versprüht portugiesisches Flair im historischen Speisesaal des Leipziger Hauptbahnhofs. © Karen Müller


Die Veranstaltung: Luis Sellano liest aus Portugiesische Rache, Buchhandlung Ludwig im Hauptbahnhof, 16.5.2017, 19 Uhr

Das Buch: Luis Sellano: Portugiesische Rache. Heyne, München 2017, 352 Seiten, 14,99 Euro, E-Book 11,99 Euro


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Die Rezensentin: Karen Müller

 


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2 Gedanken zu „Ein Aperitivo zur Bluttat

    1. Oh, vom Autor persönlich!
      Bitte, bitte, unsere Redakteurin fand es prima.
      Schöne Grüße aus der Leipzig-lauscht-Redaktion

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