Das Arschgeweih unter den Fußmatten

Der Meister des Poetry Slams mit seinem Buch »Genauer betrachtet sind Menschen auch nur Leute« zu Gast im Täubchenthal.

Wer mal wieder Lust auf ein Date hat, der ist auf einer Patrick-Salmen-Veranstaltung gut aufgehoben. Auf der Bühne steht ein Tisch mit einem Stuhl, einer Flasche Wasser und einem Glas. Daneben: eine braune Ledercouch. Und was hat es damit auf sich? Salmen erklärt es so: Es ist der Versuch eines Live-Tinders. Jeder darf auf die Bühne kommen, ein bisschen von sich erzählen, und vielleicht findet sich jemand, der sich daneben gesellen will. Den dürfe man dann auch nach links oder rechts schubsen – genau wie man bei Tinder die Bilder zur jeweiligen Seite wischt. Falls man doch allein oben sitzen bleiben sollte, dann stünde immerhin eine Flasche Schnaps parat, um sich die Peinlichkeit ein wenig schöner zu trinken.

© Knaur Verlag
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Der Autor, der mit trockenem Humor sein Buch »Genauer betrachtet sind Menschen auch nur Leute« vorstellt, schafft es schnell, die Stimmung im Publikum aufzulockern. Bei gedimmtem Licht, Lametta, das von der Empore hängt, und Sofas an den Wänden der Halle kommt trotz der Größe des Raumes im Täubchenthal schnell Wohnzimmeratmosphäre auf. Im Buch versammelt der Dortmunder Poetry-Slamer und Schriftsteller absurde und skurrile Kurzgeschichten und Dialoge, die er im Alltag aufgeschnappt hat. Er nennt sie »Mini-Dramen«. Dass Salmen sich damit auskennt, hat er schon gezeigt, als er 2010 bei der Poetry-Slam-Meisterschaft den ersten Platz gewann und im Jahr darauf in Hamburg Vize-Meister wurde.

Das Publikum lacht, und zwar viel. Zwischen die Stellen, die er aus dem Buch liest, schiebt er immer wieder kleine Anekdoten aus seinem Leben: über seine Nichte, über komische O-Töne seiner Veranstaltungen und über seinen Kumpel, der eine Fußmatte mit der Aufschrift »Carpe Diem« als Arschgeweih unter den Fußmatten bezeichnet. Gestochen scharf schafft es Patrick Salmen, die Komik von Gesprächen und zwischenmenschlichen Situationen aufzuzeigen. Als er kurz vor der Pause aus seinem Lyrik-Band liest, wird es aber plötzlich ganz still im Saal, denn ein Hauch Melancholie kommt auf.

Die Veranstaltung dauert lange – immerhin gut zwei Stunden samt Pause. Doch auf keinen Fall ist es zäh. Zwar hat keiner die Speed-Dating-Möglichkeit auf der Bühne genutzt, aber der Schnaps kommt tatsächlich noch zum Einsatz: Patrick Salmen schenkt einfach ein halbes Glas Whiskey ein und reicht es ins Publikum. Und am Ende gibt es sogar noch ein bisschen Justin-Bieber-Gefühl, als zwei Slips aus dem Publikum auf die Bühne fliegen: »Ich liebe Leipzig. Ich komme jetzt jeden Tag her. Ich bleibe einfach hier.« Gerne Patrick, dagegen haben wir nichts einzuwenden.

Beitragsbild: Patrick Salmen und die Couch auf der Bühne. © Lisa Lins


Die Veranstaltung: Patrick Salmen: Genauer betrachtet sind Menschen auch nur Leute, Täubchenthal, 13.5.2017, 16 Uhr

Das Buch: Patrick Salmen: Genauer betrachtet sind Menschen auch nur Leute. Knaur, München 2016, 224 Seiten, 9,99 Euro, E-Book 9,99 Euro


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Die Rezensentin: Lisa Lins

 


 

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