Mittelalter mal anders

Richard Dübell liest aus seinem historischen Roman »Krone des Schicksals« und nimmt die Zuschauer mit ins 13. Jahrhundert.

Schon als man den großen Saal in der Ludwig-Buchhandlung betritt, wird klar, dass es sich nicht um eine herkömmliche Lesung handelt. Denn statt in Anzug und Jackett kommt Autor Richard Dübell in mittelalterlicher Verkleidung: Er trägt Tunika, Zinnenhut und Almosenbeutel – wie Walther von der Vogelweide, der Held seines aktuellen Buches. Dübell hat schon verschiedene historische Romane veröffentlicht und mit dem » Tuchhändler« und der »Teufelsbibel« besondere Erfolge erzielt. In »Krone des Schicksals« nimmt nun erstmals eine historische Figur eine Hauptrolle ein.

Um die Zuschauer noch mehr ins Staunen zu versetzen, begrüßt der Autor sie in Mittelhochdeutsch, in der Sprache des 13. Jahrhunderts. In sympathisch-bayrischem Dialekt erklärt Dübell dann verschiedene Bräuche des Mittelalters. Dabei bringt er sein Publikum immer wieder zum Lachen, auch mit derlei Sätzen: »Ich verrate Ihnen aber nicht, was ich unter der Tunika trage!«

Autor Richard Dübell (links) mit der Rezensentin (rechts). © Maria Reis
Autor Richard Dübell (links) mit der Rezensentin (rechts). © Maria Reis

Mit diesem Einstieg kann die eigentliche Lesung aus »Krone des Schicksals« dann aber nicht mithalten. Obwohl Dübell die Abschnitte, die er vorträgt, immer wieder mit Musik und Geräuschen unterlegt, baut sich keine Spannung auf. Zudem ist es schwierig, die Handlung des Buches anhand der vorgestellten Auszüge nachzuvollziehen. Die Lesung endet abrupt und lässt den Fortgang völlig offen.

Dabei ist das Setting des Buches schnell erzählt: Der junge Walther von der Vogelweide stahl einst den Edelstein Orphanus für seinen König Philipp von Schwaben. Nach dessen Tod will Kaiser Friedrich an den Stein gelangen. Walther soll sich auf die Suche danach begeben. Das Abenteuer beginnt.

Die Figuren basieren größtenteils auf historischen Persönlichkeiten. Trotzdem wirken sie lebendig. Das liegt vor allem am detaillierten Wissen, das sich Dübell über das Mittelalter aneignete. Auch in der Fragerunde am Ende der Veranstaltung kann er ausführlich zum historischen Kontext antworten. Er erklärt zum Beispiel die geografische Situation und soziale Strukturen.

Diese Ausführungen sind es, an die man sich nach diesem Abend erinnert. Trotz der kreativ inszenierten Lesung bleibt der sympathische Autor im Mittelalter-Kostüm dann doch stärker im Gedächtnis als das Buch selbst.

Beitragsbild: Coverausschnitt. © Bastei Lübbe


Die Veranstaltung: Richard Dübell liest aus Krone des Schicksals, Buchhandlung Ludwig im Hauptbahnhof, 10.5.2017, 19 Uhr

Das Buch: Richard Dübell: Krone des Schicksals. Bastei Lübbe, Köln 2016, 560 Seiten, 22,90 Euro, E-Book 16,99 Euro


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Die Rezensentin: Maria Reis

 


 

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