Ein Glimmen in jedem Dunkel

Ulrich Fasshauer liest aus seinem Debütroman »Das U-Boot auf dem Berg«.

Gleich einer Meditation die Augen schließen, die Dunkelheit spüren, ruhig atmen. Sich vorstellen, was rund 60 Kinder zuvor in den Raum gerufen haben: Korallenriffe, Pottwale, kleine Fischschwärme, Wasser, Sand. Immer tiefer tauchen, immer mehr Dunkelheit spüren, bis es gänzlich dunkel ist. Da ist ein weit entferntes freundliches Glimmen, mitten in der Finsternis. Es kommt auf dich zu.

Ulrich Fasshauer eröffnet die interaktive Lesung zu seinem Kinderbuch »Das U-Boot auf dem Berg« mit einer fröhlichen Fragerunde und malt Bilder mit Worten in eben dieser tiefen(-see)entspannten Meditation. Der 1973 in Köln geborene Autor fordert die Vorstellungskraft seines Publikums, stellt Fragen, hört sich Ideen bezüglich der Tiefsee an, will Aktionen sehen. Willig agieren die Kinder zweier Schulklassen sowie die wenigen Erwachsenen, aus denen das Publikum besteht. So entstehen Gelächter und Aufregung, während Fasshauer ganz angenehm aufgeregt die Geschichte seines Buches erzählt. Es handelt vom zehnjährigen Mauritius, einem stillen Einzelgänger, der die Tiefsee über alles liebt. Er hat sogar sein Zimmer in ein Aquarium verwandelt: mit tiefblau gestrichenen Wänden und Fischmodellen, die von der Decke baumeln. Probleme und Ängste lässt er von seinem erfundenen Freund Herrn Glimm, ein Laternenfisch, einfach auffressen. Eines Tages tritt sein verrückter Onkel Christoph in sein Leben, der lange Zeit verschollen war. Bei Mauritius und seinen Eltern möchte der Ex-Rockmusiker zur Ruhe kommen und zum Spießer werden. Doch der manisch-depressive Onkel Christoph wird mit seinem Aktivismus zur Herausforderung und ein Abenteuer entspinnt sich.

© Tulipan Verlag
© Tulipan Verlag

»Das U-Boot auf dem Berg« ist kein schlichtes Kinderbuch mit simpel-schöner Geschichte. Sicher sind Sprache und Satzbau kindlichem Niveau angepasst, der Inhalt jedoch ist ebenso spannend für Erwachsene. Freundschaft, Vertrauen, Mut und Überwindung sind zentrale Motive, ebenso Gedanken zur Psyche und der Umgang mit psychischen Krankheiten. Flüssig, angenehm und mit Betonung liest Fasshauer, der unter anderem Theaterwissenschaften studierte, die gewählten Ausschnitte vor. Dabei fragt er seine Zuhörer auch nach ihren Meinungen und Erfahrungen, die sie etwa mit scheinbar verrückten Menschen gemacht haben.  »In der Psychiatrie begegnet man sehr viel Humor«, sagt Fasshauer, der seinen Zivildienst in einer psychiatrischen Klinik ableistete und so von eigenen Erfahrungen berichten und Verständnis schaffen kann. Ehrlicher Applaus aus Kinderhänden und mitgebrachte Blumen beenden die Lesung, die sich mit dem Resümee »Es glimmt ein Leuchten in jedem Dunkel« zusammenfassen lässt.

Beitragsbild: Ulrich Fasshauer. © A.R. Laub


Die Veranstaltung: Ulrich Fasshauer liest aus Das U-Boot auf dem Berg, Bibliothek Erich Loest in Gohlis, 24.3.2017, 11 Uhr

Das Buch: Ulrich Fasshauer: Das U-Boot auf dem Berg. Tulipan Verlag, München 2017, 192 Seiten, 13 Euro


surnitzki.m

 

 

Die Rezensentin: Maria Surnitzki

 


 

Facebooktwitter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.