Seid revolutionär und ruppig!

Kirsten Fuchs liest aus ihrem Roman »Mädchenmeute« über Jugend und Freiheit.

Die 15-jährige Charlotte fährt in ein Ferien-Fun-Survival-Camp für Mädchen, um nicht die Ferien bei ihrer Oma verbringen und womöglich Schimmel ansetzen zu müssen. In dem Camp läuft alles schief, was nur schieflaufen kann: keine Batterien für die Taschenlampen, das Gepäck verschwindet, Blutlachen und tote Katzen tauchen auf und die Camp-Leiterin dreht durch. Daraufhin laufen die Mädchen davon, klauen sich einen Hundetransporter und machen sich auf ins Erzgebirge, um dort ihre neugewonnene Freiheit im Wald zu verbringen.Klein_ Cover Mädchenmeute_2016-03-19

»Mädchenmeute« ist Kirsten Fuchs erstes Jugendbuch. Zuvor machte sie sich durch ihren Humor mit Kolumnen für »Das Magazin« und Romanen wie »Eine Frau spürt so was nicht« einen Namen. Charmant und locker las die Autorin an diesem Vormittag aus ihrem Roman und begann ein Gespräch mit dem jungen Publikum, welches ungefähr dem Alter der Protagonistin entsprach: »Was würdet ihr mit zwei Wochen Freiheit anstellen?« Die zwei Schulklassen hatten bisher still zugehört. Der kleine Bühnenraum des Theaters der Jungen Welt schaffte eine ungezwungene Atmosphäre und so begannen die Schüler, Ideen vorzuschlagen. Im Wald bleiben, Lagerfeuer machen und Geschichten erzählen, waren die Vorschläge. Diese wurden von Mitschülern kommentiert: »Du willst zwei Wochen lang am Lagerfeuer sitzen und Geschichten erzählen?!« Jemand warf ein: »Wald anzünden« und erntete dafür Gekicher. Mehr schien den Jugendlichen nicht einzufallen. Das verwunderte die Autorin. Wo blieb der Freiheitsgeist der Jugend?

»Seid ihr revolutionär und ruppig?« Leises, ahnungsloses Murren aus den Reihen. »Solltet ihr aber!« Anders als die Schüler im Publikum sehen es die Mädchen in Fuchs‘ Jugendroman. Sie genießen die Freiheit, niemand will etwas von ihnen, sie sind nur für sich. Wild und glücklich. Die Protagonistin Charlotte hat ihre ganz eigene Sprache: manchmal jugendlich-schnoddrig, dann wortgewandt und philosophisch, abwechselnd mit trotziger Ironie.

Man könnte meinen, die Jugend von heute sei einfallsreicher, wenn es um die eigene Freiheit geht. Vermutlich sind sie sich der Bedeutung des Wortes nicht vollends bewusst. Bleibt nur zu hoffen, dass die Funken für Wildheit, Freiheitsliebe und Naturbewusstsein noch in einigen Jugendgeistern zu sprühen beginnen. Vielleicht mit Hilfe dieses Buchs.

Die Autorin Kirsten Fuchs mit der Rezensentin. © Jasmin Klein
Die Autorin Kirsten Fuchs mit der Rezensentin. © Jasmin Klein

Die Veranstaltung: Kirsten Fuchs liest aus Mädchenmeute, Theater der Jungen Welt, 18.3.2016, 10 Uhr

Das Buch: Kirsten Fuchs: Mädchenmeute. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2016, 464 Seiten, 9,99 Euro


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Die Rezensentin: Jasmin Klein 

 

 


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