In der Schwebe zwischen Rationalität und Emotion

Lesung einer „sentimentalen Space-Opera“

Von Sabine Theiß

Der preisgekrönte Autor Leif Randt hat ein Buch geschrieben, wie er es selbst gerne mit zwölf Jahren gelesen hätte: „Planet Magnon“. Gleich zu Beginn der Buchmesse 2015 durfte er sein neues Werk in der LVZ Autoren-Arena vorstellen. Die Tribüne war an diesem Donnerstagmorgen nur spärlich besetzt, was am hohen Konkurrenzangebot gelegen haben mag und der Sparten-Prosa, die Randt schreibt.

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„Planet Magnon“ ist ein Science-Fiction Roman, der in einem anderen Sonnensystem spielt, in dem man mit einem Shuttle zwischen den Planeten hin- und herreisen kann. Die Menschen haben sich in Kollektiven mit verschiedenen Idealen zusammengeschlossen, Paarbeziehungen werden abgelehnt. Organisiert wird die Gesellschaft durch das Computersystem ActualSanity, das Entscheidungen zu Recht und Ordnung aufgrund statistischer Auswertungen der Verhaltensweisen der Mehrheit trifft. So wird z. B. eines Tages beschlossen, dass jeder mit dem Taxi fahren darf, ohne Gebühr zu zahlen. Die Menschen der Planetengemeinschaft leben in Frieden und ohne Leidenschaft, wie Moderatorin Jana Brechlin feststellte.

Der Protagonist ist Marten Eliot, Spitzenfellow des Kollektivs Dolfin. Dieses zeichnet sich durch „Experimentierfreude und wortkarge Sachlichkeit“ aus. Gemeinsam mit Emma Glendale, weibliche Spitzenfellow, bereist er die anderen Planeten, um neue Mitglieder anzuwerben, denn die Dolfins befinden sich in einer Krise. Und dann bildet sich auch noch ein neues, konkurrierendes Kollektiv: die Hanks, das Kollektiv der gebrochenen Herzen, die aufgrund ihrer emotionalen Bindung zu einzelnen Personen ausgeschlossen wurden.

Marten steht an der Schwelle zu einer Veränderung, doch ist stets nicht ganz klar, was seine Absichten sind. Genau wie bei der Droge Magnon, deren Wirkung widersprüchlich beschrieben wird und schwer zu begreifen ist. Selbst der Autor konnte sich nicht genau erinnern. Doch eines ist klar: Sie wird das Sonnensystem verändern.

Der Roman ist eine utopische Erzählung, die viele Fragen offen lässt und Raum für individuelle Interpretationen gibt.

Leif RandtRandt wurde schon mehrfach für seine Prosa ausgezeichnet. Und zu recht: Er verwendet eine stilistisch ausgeprägte Sprache mit nüchternem Ton. Er kommentiert nicht, er beschreibt und spiegelt somit den rationalen Charakter des Sonnensystems.

Auf die Frage der Moderatorin, was er dachte, als er das gedruckte Buch in Händen hielt, antwortete Randt: „Das ist ein Buch, das man so lesen kann.“ Er selbst wirkt wie seine Hauptperson – emotionsarm und undurchschaubar. Doch dies kann der kurzen Zeit geschuldet sein, die für das Gespräch zur Verfügung stand. Auf der Messe herrscht ein straffes Zeitprogramm. Vielleicht kann man ihn auf einer seiner anderen Lesungen besser kennenlernen, in einer schöneren Atmosphäre ohne störende Messegeräusche.


Buch: Leif Randt; „Planet Magnon“; Kiepenheuer & Witsch; 19,99€

Lesung: Leif Randt und Jana Brechlin; LVZ-Autoren Arena, Halle 5; 12. März; 11.30 Uhr

Weitere Lesung: Samstag, 14. März; 20 Uhr; Horns Erben

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