Im Wasser, in der Luft, unter der Erde

Ein neues Buch über die Geschichte der Atombombentests.

»1950 findet kein Atomtest statt.« Das recherchierte Sven Hannes für sein Buch »Die Bombe«. Diese Tatsache verwunderte den Autor, denn in den Jahren davor und danach jagten sowohl die USA als auch die Sowjetunion und einige andere Staaten tatsächlich unzählige Atombomben in die Luft – testweise, versteht sich.

1979 im Rheinland geboren, umgeben von Atomwaffenstandorten aufgewachsen, hat der heute in Leipzig lebende Historiker ein besonderes Interesse am Thema entwickelt. Sein Buch ist das erste, das ausführlich über die unzähligen weltweit praktizierten Atombombentests berichtet. Beginnend bei den Anfängen der Bombe 1945 zieht sich die Geschichte bis zur Gegenwart durch. Und man könnte sie permanent weiterschreiben, denn ein Ende gibt es bis heute nicht.

Zuerst fanden die Tests überirdisch statt, im Wasser, zu Land, sogar in der Nähe der Atmosphäre. Die Idee, eine Bombe auf der Oberfläche des Mondes zu sprengen, wurde nie umgesetzt. Trotz der gefährlichen, unberechenbaren Nebenwirkungen, die eine solche Sprengung mit sich bringt, wollte man darauf nicht ganz verzichten. So wurde die Vereinbarung über einen Teststopp in der Zeit des Kalten Krieges immer wieder von beiden Seiten abwechselnd hinausgezögert, bis man sich schließlich darauf einigte, nur noch Zündungen unter der Erde vorzunehmen.

© Open House Verlag
© Open House Verlag

Zehn Jahre Recherche- und Schreibarbeit stecken in dem Sachbuch, das Sven Hannes zum ersten Mal am Donnerstagvormittag auf dem Messegelände in Halle 5 vorstellte. Rainer Höltschl, der 2011 den Open House Verlag mitbegründete, leitete die Lesung mit wenigen Worten ein. Nicht nur um technologische und politische Aspekte gehe es in dem etwa 300 Seiten starken Sachbuch, sondern es stelle auch die unglaubliche Absurdität des Beschriebenen heraus. Diese Behauptung bestätigt sich bei der Lektüre.

In der Lesung übertrug sich die Spannung schlecht. Das mag an dem etwas nervös wirkenden Autor gelegen haben, der mit überschlagenen Beinen in einem Stuhl aus durchsichtigem Hartplastik saß und sich Mühe gab, seinen Text interessant vorzutragen. Außerdem war der Ort für die Lesung suboptimal: Zwei rote Stellwände, eine vorne, eine hinter dem Publikum, sowie gelbes Klebeband auf grauem Boden grenzten die »Leseinsel junge Verlage« vom Rest der Halle ab. Optisch eine eindeutige Sache, die Geräusche blieben aber nicht draußen, sondern schienen noch lauter zu werden, sobald man versuchte, sich auf der Leseinsel zu konzentrieren. Menschenmassen schoben sich links und rechts vorbei, wenige Besucher blieben stehen, um sich gleich wieder weitertreiben zu lassen. Trotzdem war die Lesung gut besucht, alle Plätze waren von überwiegend jungem Publikum besetzt. Zwischendurch Gemurmel, Nicken oder Kopfschütteln unter den Zuhörern. Nach einer halben Stunde war die Lesung zu Ende, die nächsten Autoren standen in den Startlöchern.

Samstagabend stellt Sven Hannes sein Buch in der Stadtbibliothek im Rahmen des Sachbuchforums noch mal vor. Dort hat er eine Stunde Zeit. Vorausschicht wird es in der angekündigten Lesung mit Gespräch ruhiger und entspannter zugehen als auf der Messe. Ob die Art des Historikers, seinen Text vorzutragen, bis dahin interessanter geworden sein wird, bleibt fraglich. Dennoch hat das Buch auf jeden Fall Aufmerksamkeit verdient, auch weil sein brisanter Inhalt vor dem momentanen politischen Hintergrund wieder hochaktuell wird.

Beitragsbild: Sven Hannes (links) und Rainer Höltschl (rechts). ©Veronika Mücke-Sprügl


Die Veranstaltung: Sven Hannes liest aus Die Bombe, Moderation: Rainer Höltschl, Buchmesse, Leseinsel Junge Verlage, Halle 5, 23.3.2016, 11 Uhr

Das Buch: Sven Hannes: Die Bombe. Open House Verlag, Leipzig 2017, 303 Seiten, 25,00 Euro, E-Book 18,99 Euro


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Die Rezensentin: Veronika Mücke-Sprügl

 


 

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