Ihr kriegt uns hier nicht raus!

Madeleine Prahs liest in der »Galerie Alexander Friebel« aus ihrem Roman »Die Letzten«.

Die Gentrifizierung ist ein Thema, das aus Leipzig nicht mehr weg zu denken ist. Überall in der Stadt werden Häuser saniert, die Mieten steigen und die Menschen werden aus ihrem Wohnraum vertrieben. Dieses Schicksal droht nun auch Karl Kramer, Elisabeth Buttkies und Jersey. Sie sind die letzten verbliebenen Bewohner in der Hebelstraße 13. Das Haus wird leergewohnt, das bedeutet, dass beispielsweise durch unterlassene Instandhaltungsmaßnahmen die Mieter nach und nach zum Auszug gedrängt werden. Eines Tages kommt ein Brief des neuen Hauseigentümers. Das Haus soll kernsaniert werden und den letzten verbleibenden Mietern droht der Rausschmiss. Wie sich die ursprünglich spinnefeinden Menschen zusammenraufen, um sich gegen die bevorstehe Räumung zu wehren, davon handelt Madeleine Prahs Roman »Die Letzten«.

© dtv

Die Lesung findet in der »Galerie Alexander Friebel« auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei statt. Die ehemalige Fabrikhalle vermittelt einen ganz eigenen Charme und ist ein sehr schöner und thematisch passender Ort für die Lesung. Auch solche Orte müssen sich schließlich in Zukunft mit der Frage auseinandersetzen, wo sie in Leipzig noch Platz finden können.

Die Zuschauer sitzen auf Bierbänken, was etwas Rustikales an sich hat. Die Veranstaltung ist gut besucht und es herrscht eine angenehm intime Atmosphäre. Madeleine Prahs liest, ihre Verlegerin Katharina Scholz moderiert den Abend. Nach einer kurzen Vorstellung beginnt die Autorin mit der ersten Passage. Immer wieder bringt sie ihr Publikum dank der pointiert geschriebenen Figuren zum Lachen. Doch vor allem aber gibt Madeleine Prahs durch ihre Lesart den Figuren viel Persönlichkeit und lässt sie lebendig erscheinen. Zwischen den insgesamt vier Passagen, die gelesen werden, stellt Katharina Scholz Fragen an die Autorin. Diese beziehen sich hauptsächlich auf die Art und Weise, wie sie schreibt. So wollte sie ursprünglich nach ihrem ersten Roman »Nachbarn« nur eine Kurzgeschichte schreiben. Da sie zu der Zeit allerdings selbst in einem Haus lebte, dass leergewohnt wurde, entwickelte sich aus der Kurzgeschichte schnell die Idee für einen ganzen Roman.

Madeleine Prahs © Bogenberger Autorenfotos

Nach 60 Minuten ist die Lesung leider schon vorbei. Sehr gerne würde man Madeleine Prahs noch weiter dabei zuhören, wie sie von den Bewohnern der Hebelstraße 13 und ihrem Kampf gegen sich selbst und dem drohenden Rausschmiss erzählt. Auf die Frage was als nächstes komme, meint Prahs, dass sie am liebsten nur im Sessel sitzen und Gin Tonic trinken möchte. Da dies allerdings nicht geht, arbeite sie erstmal an einem Erzählband. Hoffentlich ist es so wie bei »Die Letzten« und aus der Idee eines Erzählbandes entwickelt sich ein neuer Roman. Denn die Lesung hat auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht.

Beitragsbild: Madeleine Prahs (links) Katharina Scholz (rechts). © Thorben Matthies


Die Veranstaltung: Madeleine Prahs liest aus Die Letzten, Moderation: Katharina Scholz, Galerie Alexander Friebel, 23.03.2019, 18.00 Uhr

Das Buch: Madeleine Prahs: Die Letzten. dtv, München 2017, 304 Seiten, 21,00 Euro, E-Book 18,99 Euro


Der Rezensent: Thorben Matthies

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