„Ich bin schwarz, ich darf das!‟

Politisch inkorrekt und Spaß dabei

Von Patrick Wenig

Die Sitzbänke der Leseinsel Junge Verlage in Halle 5 der Leipziger Buchmesse sind restlos belegt, als der gebürtige Kölner Marius Jung am Donnerstagmittag mit der Lesung zu seinem neuen Buch „Moral für Dumme: Das Elend der politischen Korrektheit“ beginnt.

In dem satirisch-polemischen Buch geht es um Absurditäten und Widersprüche einer ursprünglich sinnvollen Idee der politischen Korrektheit, die mittlerweile ausufert in gängigen Kurzwörtern wie z.B. SuS (für „Schülerinnen und Schüler‟). Einst gut gemeint, erschaffen die Vertreter politischer Korrektheit laut Jung Frust, Gereiztheit und Gehemmtheit im Umgang mit Menschen, weil niemand mehr weiß, was man sagen „darf‟.

Zum Auftakt werden jedoch zunächst einige Ausschnitte aus Jungs literarischem Debüt aus dem Jahre 2013 „Singen können die alle!: Handbuch für Negerfreunde‟ zum Besten gegeben, für welches er aufgrund seines Titels öffentlich kritisiert wurde. Die dadurch entfachte Diskussion begreift er selbst allerdings als gelungene PR, da er hierdurch einem deutschlandweiten Publikum bekannt wurde und sein Werk in den Bestsellerlisten platzieren konnte.

Aber der Reihe nach: Anmoderiert wird der Literatur-Neuling von seinem Verlagskollegen Torsten Sträter, seines Zeichens Schriftsteller und Kabarettist. Begleitet von altbekannten Kalauern, die den Fans von Jung bereits bekannt sein dürften, wird das gespannte Publikum mit einem umfangreichen Entertainment-Paket begrüßt, allem voran Sprüche wie „Wenn man so aussieht wie ich, ist klar, woher ich komme. Ich komme aus Köln‟. Ein Lacher, wenn man weiß, dass Marius Jung ein „Maximalpigmentierter‟ ist, wie er selbst ironisch konstatiert. Denn in seinem Buch geht es um genau solche Ausdrücke in der Beamtensprache. Warum nicht beginnen mit „Herzlich willkommen bei NEGIDA, bei Neger gegen die Islamisierung des Abendlandes‟, warum nicht sagen, dass er „das Negerhandwerk von der Pike auf gelernt‟ hat?

Jung spielt mit dem verpönten N-Wort ganz offen und pflegt einen humoristischen bis sarkastischen Umgang damit. Dabei verliert er nie den satirischen Faden. Seine Lesung persifliert ganz gezielt die Empfindlichkeit der Gesellschaft im Hinblick auf die korrekte Bezeichnung ethnischer Minderheiten und appelliert an mehr Gelassenheit im Umgang miteinander. So karikiert er sich selbst als „Person mit Migrationshintergrund ohne Migrationserfahrung‟, wie es politisch korrekt lauten müsse. Trotz des kontroversen Themas zeigt das Publikum zahlreiche vergnügte Gesichter. Die zu erwartenden Empörungen bleiben aus, kritische Kommentare sind nicht zu vernehmen. Vielmehr zelebriert das Publikum Jungs Kritik an der politischen (Über-)Korrektheit.

Marius Jung
Marius Jung

Eines ist am Ende der Lesung klar: Jung polarisiert mit seinen Ansichten. Es ist zwar fraglich, ob er es mit seiner zynischen Art schafft, seine Kritiker zu überzeugen, doch eines gelingt ihm damit auf jeden Fall – er regt die Menschen zum Nachdenken an.

 


 

Buch: Marius Jung; „Moral für Dumme: Das Elend der politischen Korrektheit‟; Carlsen Verlag; 11,99€

Lesung: Marius Jung; Anmoderation: Torsten Sträter; Leseinsel Junge Verlage Halle 5; 12. März; 13.30 Uhr

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.