Hafenkinder vs. Leipziger Allerlei – ein Battle der besonderen Art

Acht Poetry-Slammer stürzen sich in zwei Teams in den Kampf um Ruhm und Ehre.

Donnerstagabend im Kupfersaal war es soweit. Leipzigs beste Poetry-Slammer stellten sich ihrer Konkurrenz aus Hamburg in einem, vom Verein Livelyrix organisierten, imposanten Battle.

Mit einigen Minuten Verspätung betritt Moderator Christian Meyer eiligen Schrittes die schlicht gehaltene Bühne und beginnt in einer hektischen, aber sehr humorvollen Art den Abend einzuleiten. Nebenbei verteilt er locker flockig die Punktetafeln an Teile des Publikums, die nun auserkoren sind, über Sieg und Niederlage zu entscheiden. Musikalische Untermalung von Singer-Songwriter Sebastian Hackel steht als nächster Programmpunkt auf dem Plan. Er singt über die modernen Zeiten, aktuelle Probleme und die eigenen Gefühle.

Einen starken Kontrast dazu stellt die erste Kandidatin Leonie Warnke dar, die für das Team Leipzig, unter skeptischer Beobachtung des Publikums, mit einem Spottlied startet. Dies ändert sich jedoch rapide mit ihrem zweiten Text »Unsere WG ist jetzt Bourgeoisie«, der vom Aufeinandertreffen von Luxusleben und Unterschichtenklischee erzählt. Ihr Gegner, »Der drollige Mollige« Hamburger Lennart Hamann, wie er sich selbst betitelt, klagt über den Stress, den Lärm und die Partymenschen in der Großstadt. Er selbst will nur seine Ruhe, doch an Gleichgesinnten scheint es ihm zu mangeln.

Die zweite Runde beginnt mit Bonny Lycen für Leipzig und wendet sich Ernsterem zu. Mit dem »Lied von Luise und Ole« macht sie gekonnt auf Genderfizierung im Kindesalter aufmerksam. Ohne ein Blatt vor dem Mund zu nehmen, beschreibt sie, wie Rollenerwartungen an Mann und Frau ausarten können. Sie entsetzt, indem sie rebellische Mädchen zum freizügigen Freiwild erklärt und aus Macho-Männern unterdrückende Tiere macht. Ein gewagter Beitrag zur Mee-too-Debatte mit schockierender Pointe. Während der Schreck noch anhält, tritt Victoria Helene Bergemann auf die Bühne. Schon ihr erster Satz bricht auf absurdeste Weise die gedrückte Stimmung: »Ich wünschte, ich wäre eine Primzahl, dann hätte ich keine Periode«. Auf ihre ganz eigene Art nimmt sie die Zuhörer mit in ihr »Leben am Limit, am Limes und an der Limettenplantage«.

Aufbauend auf diesem hohen Niveau treibt dann Rainer Holl den Zuschauern die Lachtränchen in die Augen. Was anfangs noch wie eine Spottrede über die eigene Heimat in Dortmund klingt, weitet sich schnell auf eine Collage aus deutschen Klischees der verschiedenen Städte aus und zeigt geschickt, was der Titel verspricht: »Deutschland, Deutschland, überall ist’s scheiße«. Etwas ruhiger, doch sehr poetisch ist der Beitrag von Svea Gross. Beginnend bei der Geburt, gibt sie ihren eigenen Überblick über den Lebenszyklus mit all seinen Etappen.

Nach der Pause gehen dann die letzten beiden Starter in Position. Malte Rosskopf, dem letzten Kandidaten des Teams Leipzig, mangelt es an Struktur, was sich deutlich im Publikum bemerkbar macht. Wie eine Wucht schlägt dagegen der Jurastudent Sebastian Stille im Anschluss mit einer Vielzahl an urkomischen Versen über das schwere Leben am unteren Rand des Kastensystems des universitären Staatsapparates um sich. Der Saal tobt.

Finale: Für Team Hamburg tritt ein weiteres Mal Victoria Helene Bergemann in den Ring. Perfekt harmonierend zu ihrem vorherigen Text spinnt sie mit einer Hasstirade über Männer, die unsittliche jüngere Damen berühren und Kinder, die mit Legosteinen und Exkrementen spielen, den Faden weiter und bringt eine hervorragende Endwertung für das Team. Doch auch für Leipzig sieht’s nicht schlecht aus. Rainer Holl reißt das gesamte Publikum mit auf seinem sarkastischen Streifzug durch die Nachrichtenwelt, vorbei an Politik und Klatschpresse, überzeugt mit einer klaren Message am Ende und begeistert schlussendlich mit einem langen Part, ganz ohne Mitschriften.

Und dann ist er vorbei, der Battle der besonderen Art. Nur der minimale Vorsprung der Einzelrunden rettet Team Leipzig und beschert ihnen den Sieg. Eilig strömt das Publikum aus der Halle, eifrig plaudernd über die Beiträge und die Juryentscheidungen, ganz gespannt auf den nächsten Battle, in dem es dann Berlin an den Kragen geht.

Beitragsbild: Victoria Helene Bergemann im Poetry-Slam-Battle-Finale. © Janett Zander


Die Veranstaltung: Livelyrix Poetry-Slam-Battle: Leipzig vs Hamburg, Kupfersaal Leipzig, 22.2.2018, 19.30 Uhr


 

 

Die Rezensentin: Janett Zander

 


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