Haben Sie Angst, Frau Altaras?

Adriana Altaras im taz-Gespräch mit Doris Burkhart.

Adriana Altaras © Gene Glover
Adriana Altaras © Gene Glover

Ganz zu Beginn ist da der Journalist Deniz Yücel. Dass er immer noch in der Türkei in Untersuchungshaft sitzt, ist unbegreiflich für Doris Burkhardt. Die einstige Kollegin Yücels von der »taz« liest einen Text Yücels zu Pegida von Dezember 2014. Betretenes Schweigen aus dem Publikum hier im taz-Gespräch. Auch hier weiß niemand so recht, wie so etwas passieren kann. Altaras erklärt, dass Lebensgeschichten, wie die Yücels oder ihre eigene, zeigen, wie sehr viele Migranten in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind und politische Diskurse in der Wahlheimat mitgestalten. Heimat ist ein poröses Gefühl.

Altaras erzählt, dass wir alle mehrere Heimaten haben. Genau wie Daniel Schreiber aus dem vorherigen taz-Gespräch sagte, gäbe es nicht mehr das eine Gefühl, hier oder dort heimisch zu sein. Es sind Kontexte, über die sich der moderne Mensch in Europa heimisch fühle: Die Arbeit, eine bestimmte Stadt, die Liebe. Um all diese Sachen geht es in ihrem Roman »Das Meer und ich waren im besten Alter. Geschichten aus meinem Leben«, dessen Inspiration aus dem Alltag stammt. Das Gespräch mit einem Fischverkäufer, Erinnerungen an ihre Tante, der Kontakt zu einer ebenfalls jüdischen Freundin waren der Anlass ihrer … ja, was eigentlich? Sind das Essays, sind das Geschichten? Es sind auf jeden Fall pointierte Schüsse, von denen jeder sitzt.

© Kiepenheuer & Witsch
© Kiepenheuer & Witsch

Ob es darum geht, dass man mit dem deutschen Ehemann kein französisches Spiel spielen kann oder die Frage, ob das deutsche Theater so großartig wäre ohne die Fremdeinflüsse entwurzelter Menschen. Über die innere Unruhe, die junge Menschen in Städten wie Berlin ergreift. Städten, wo alle hinwollen und in deren chaotischem Pulsieren man auf der Suche nach dem neuesten Schrei untergehen kann. Aber auch um die Angst geht es. Die Angst vor Anschlägen, vor Terrorismus und Fundamentalismus. Einer Angst, der sie nicht nachgeben will. Angst, der sie mit Lebensmut entgegentritt und uns zum Lachen bringt mit Geschichten aus ihrem Leben.

 

 

Beitragsbild: Doris Burkhart (links) mit Adriana Altaras (rechts) im Gespräch. © Sebastian Adam


Die Veranstaltung: Adriana Altaras liest aus Das Meer und ich waren im besten Alter. Geschichten aus meinem Leben, Moderation: Doris Burkhart, taz.studio Halle 5, 24.3.2017, 17.15 Uhr

Das Buch: Adriana Altaras: Das Meer und ich waren im besten Alter. Geschichten aus meinem Leben. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2017, 224 Seiten, 8,99 Euro, E-Book 8,99 Euro


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Der Rezensent: Sebastian Adam

 


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