„Gottlose Type!‟ – Gesammelte politische Anekdoten von Petra Pau

Petra Pau stellt ihr neues Buch „Gottlose Type: Meine unfrisierten Erinnerungen‟ im Liebknecht-Haus vor.

Von Patrick Wenig

Petra Pau und ihr Aktenkoffer mit Tisch
Petra Pau und ihr Aktenkoffer mit Tisch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Wo sitzen Sie? Auch links außen?‟, fragte eine Besucherin die andere, als letztere den Raum betritt. Am Messefreitag um 18 Uhr präsentierte Petra Pau im Liebknecht-Haus ihr neues Buch „Gottlose Type‟. Moderiert wurde die Lesung von Olaf Koppe, dem Geschäftsführer der Tageszeitung „Neues Deutschland‟.

Der Raum im obersten Geschoss ist klein, aber angenehm gemütlich. Das Publikum ist eher älteren Semesters, aber keinesfalls redefaul. Im Gegenteil, vor der Lesung wird viel gelacht, es herrscht eine ausgelassene Stimmung. Ich nehme in der ersten Reihe Platz und warte darauf, dass Frau Pau eintrifft. Als sie den mit Fachwerk-Streben durchzogenen Raum betritt, kehrt allerdings keine ehrfürchtige Ruhe ein wie man erwarten könnte, denn immerhin ist sie Vizepräsidentin des deutschen Bundestages. Nein, es wird hier und da mit Gästen geplaudert und vielleicht schon vorab die ein oder andere Anekdote erzählt. Um Anekdoten geht es auch in ihrem Buch. Doch zunächst widmet sich die Autorin der Umgestaltung des Lesesaals. Auf das Mikrofon wird verzichtet, der Lesetisch nach vorn verschoben. Ihre Stimme reicht akustisch aus und sie überwindet somit zugleich die Distanz zum Publikum.

Die im Jahr 1963 geborene Berlinerin und Angehörige der Partei „Die Linke‟ erlebte in ihren über 25 Berufsjahren allerlei Kuriositäten. Mal landet sie auf dem Weg zum Fototermin fast im Gefängnis, holt die verbannte Clara Zetkin in den Reichstag oder sitzt ohne Tisch im Plenarsaal – die Geschichten reichen von heiter bis gefährlich. So fand sich Petra Pau im Jahr 2002 als eine von zwei Politikerinnen mit Direktmandaten ohne Tisch im Bundestag wieder. Dieser symbolträchtiger Umstand war einer Mischung aus Schikane und Überforderung der Politikerkollegen geschuldet, die keine direkt gewählten Parlamentarier ohne Fraktion gewöhnt waren. Das Satire-Magazin „extra3‟ des NDR hatte schließlich Erbarmen und spendete der Reformlinken vor laufenden Kameras einen Tisch. Da sie diesen jedoch nicht behalten durfte, wurde ihr wenig später zum Geburtstag ein Aktenkoffer mit integrierter Tischfunktion geschenkt, der ihr in seiner Doppelfunktion als Aktenbehälter nicht streitig gemacht werden konnte. So endete der lange und steinige Weg der Parlamentarierin Pau ohne Tisch.

Petra Pau und Olaf Koppe
Petra Pau und Olaf Koppe

Während der Lesung sucht sie ständigen Blickkontakt zum Publikum und beobachtet dessen Reaktion. Diese reichen von bedächtigem Nicken bis hin zu leidenschaftlicher Zustimmung in Form von ergänzenden Kommentaren.

Petra Pau ist in erster Linie Politikerin und so bleiben Seitenhiebe gegen politische Gegner nicht aus – nutzt diese Plattform jedoch nicht zur Meinungsmache, sondern bleibt charmant und gibt die Anekdoten aus ihrem (politischen) Leben stets mit einem Augenzwinkern wieder. Dennoch driftet die Lesung vereinzelt in einen politischen Monolog über Themen wie den sozialen Wohlstand, Gewerkschaftskritik und den NSU ab. Dies ist jedoch nicht überraschend, Petra Pau ist eine Vollblutpolitikerin.

Petra Pau hat mit ihrer Lesung auf unterhaltsame Art und Weise einen Blick hinter die Kulissen des deutschen Bundestages ermöglicht. Die Anekdoten zeichnen das Bild einer aufgeschlossenen und bisweilen frechen Politikerin, die sich ihren Weg durch die politische Gesellschaft Deutschlands bahnt.


Buch: Petra Pau; „Gottlose Type: Meine unfrisierten Erinnerungen‟; Eulenspiegel Verlag; 9,99€

Lesung: Petra Pau; Moderation: Olaf Koppe; Liebknecht-Haus; 13. März; 18 Uhr

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