»Geflüchtet wird immer«

Christiane Rösinger im Gespräch über ihr aktuelles Buch »Zukunft machen wir später. Meine Deutschstunden mit Geflüchteten«.

Am Messefreitag stellte Christiane Rösinger im überfüllten taz.studio ihr neues Buch vor, und sofern man es gelesen hat, erfuhr man nichts Neues. Wenn nicht, bot sich ein interessanter Einblick in das noch recht frische Lehrerdasein der Autorin. Die Moderatorin Doris Akrap stellte Christiane Rösinger als bekanntes Gesicht vor: ehemalige Sängerin der Berliner Bands »Lassie Singers« und »Britta«, Betreiberin der legendären Flittchenbar im Berliner Osten, freie Journalistin unter anderem für die »taz«. In ihren einleiteten Worten schwenkte die Moderatorin außerdem aus Solidaritäts- und wahrscheinlich PR-Gründen erst mal zum in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel, für »taz«- und sonstige Zeitungsleser ja auch keine neue Geschichte.

Aus ihrem aktuellen Buch las Christiane Rösinger zwar nicht vor, aber sie beantwortete Doris Akraps Fragen, nahm ihre Vorlagen für Anekdoten an und erzählte, von sich selbst, von der Idee des Unterrichtens, vom Unterricht selbst.

Im Spätsommer 2015 setzte sie ihren immer wieder aufkeimenden Wunsch, nach ihrer musikalischen Karriere »was Richtiges« machen zu wollen, in die Tat um und studierte Germanistik. Obwohl ihrer Meinung nach das Studieren allein keineswegs zum Lehren befähigt, fand sie darüber den Einstieg in das Unterrichten von Deutsch als Fremdsprache (DaF). »Geflüchtet wird immer«, sagte sie sich und schrieb auch gleich ein Buch über ihre neue Tätigkeit.

Brach_Rösinger_CoverIm Gespräch mit der Moderatorin verwendete Christiane Rösinger immer wieder Formulierungen aus ihrem Buch, was zunächst irritierte. Im Endeffekt bestätigte das jedoch ihre Authentizität. »Zukunft machen wir später« ist schließlich kein Roman mit abwechslungsreichen Metaphern, sondern ein autobiografischer Bericht. Übersichtlich gestaltet ist das Buch außerdem: Die Kapitel sind wie Lektionen aufgebaut, mit vorangestellten Lernzielen, die Rösinger mit ihren persönlichen Erfahrungen vergleicht. Die Autorin berichtet, was sie erlebt, ganz locker und simpel, ohne großes »Larifari«. Denn Larifari, das gibt es in ihrem Kurs nicht.

Es gelten Regeln, auf die sie strikt achtet: Hausaufgaben statt Handys zum Beispiel. Das bedeutet keinesfalls, dass es ohne Spaß zugeht. Sie schreibt im Buch und erklärte auf der Bühne, dass Humor im Unterricht eine große Rolle spielt. Das scheint zu ihr zu passen, denn mit Witz und Heiterkeit erzählte sie Anekdoten von singenden Syrern, anstrengenden deutschen Kollegen, von Klischees, Vorurteilen auf beiden Seiten und von Mülltrennung. »Dann sitzt man da und weiß nie, was passiert.« Das Publikum lacht, die Presse notiert sich Sympathiepunkte.

Kapitel DaF, eine gute Lehrkraft: ist engagiert und bodenständig, sieht den Herausforderungen des Unterrichtens gelassen entgegen, ist offen für verschiedene Menschen und Kulturen, kann über sich selber lachen, hilft bei Problemen und ist trotzdem in der Lage, Arbeit und Privates zu trennen. Herzlichen Glückwunsch, Frau Rösinger, diese Lektion haben Sie erfolgreich gemeistert!

Beitragsbild: Christiane Rösinger im taz.studio. © Leoni Brach


Die Veranstaltung: Christiane Rösinger über ihr aktuelles Buch, Moderation: Doris Akrap, taz.studio, Messegelände, 24.3.17, 13:30 Uhr

Das Buch: Christiane Rösinger: Zukunft machen wir später. Meine Deutschstunden mit Geflüchteten. S. Fischer, Frankfurt am Main 2017, 218 Seiten, 12,99 Euro, E-Book 9,99 Euro


 

 

Die Rezensentin: Leoni Brach

 


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