Frauenpower

Eine feministische Lesung der Übersetzerin Lilly Schön aus Andrea D‘Atris Buch »Brot und Rosen«  in der Frauenkultur Leipzig.

Es ist brechend voll und doch reicht ein Blick ins Publikum, um zu sehen, dass vor allem Frauen in dem kleinen, überschaubaren Raum der Frauenkultur Leipzig anwesend sind. Wohl kein Wunder, denn das Thema des Abends ist Feminismus.

Ein feministischer Abend in der Frauenkultur © Leonie Beer

Eigentlich ist das schon länger kein rein weibliches Thema, doch auch das Buch »Brot und Rosen« der Autorin Andrea D’Atri beschreibt die Dominanz der Frau im Feminismus.
Neben einem geschichtlichen Abriss des Phänomens und der Vorstellung einzelner Strömungen werden Biografien ausgewählter Feministinnen beleuchtet. Zwar werden auch Männer erwähnt, die für die Emanzipation der Frau kämpften, doch diese waren wohl weniger relevant. Letztlich waren es Frauen wie Flora Tristán oder Sylvia Pankhurst die die Bewegung vorantrieben.
So auch die Autorin Andrea D’Atri, die vor vielen Jahren eine Aktion ins Leben rief, an der zuerst nur zehn Menschen teilnahmen. Zehn Jahre später waren es bereits zwei Millionen. Ihre Aussage dazu: »Wir sind heute viele, weil wir einmal keine Angst hatten wenige zu sein.« Sie selbst stammt aus Argentinien und kann deswegen an diesem Abend nicht anwesend sein. Diese kleine Anekdote wird von ihrer Übersetzerin Lily Schön, die stattdessen vor Ort ist, erzählt. Die beiden gehören der internationalen Vereinigung Brot und Rosen an. Durch diese Verbindung bot sich Lilly Schön für die Übersetzung an, denn Autorin und Übersetzerin teilen viele Gedanken. D’Atri gab ihr den Auftrag, einen Ausschnitt aus dem Vorwort zu lesen. Dieser endet mit der Formulierung ihrer Erwartungen an das Buch. Es geht ihr um die Verknüpfung des Feminismus mit dem Marxismus und darum, gegen Unterdrückung und Ausbeutung zu kämpfen.

Lilly Schön im Gespräch mit einer Zuhörerin © Leonie Beer

Der Saal hängt Lilly Schön an den Lippen und das, obwohl die Passagen, besonders zum Vorfeld der französischen Revolution und zu Sylvia Pankhurst, nicht ganz unkompliziert sind. Es fallen viele Daten und Namen. Wer das Buch nicht schon kennt, kann sich leicht in diesem Informations-Dschungel verirren. Kein Buch, dass sich zum Vorlesen eignet. Und doch schlägt sich Lilly Schön wacker. Wie sie zu Beginn erwähnte, hat sie noch nie eine Lesung gemacht. Das lässt sie beim Vorlesen fast vergessen. Nur ihre immer wieder unsicher eingestreuten Kommentare zum Gelesenen zeigen, dass sie kein Profi ist. Und doch sieht frau auch gerade daran, wie sehr ihr das Thema am Herzen liegt. Mit viel Wissen steht sie auch bei der abschließenden Beantwortung von Fragen ihre Frau. Selbst diese Fragerunde wird ausschließlich von Frauen bestritten. Eine angenehme Abwechslung in einer noch immer von mansplainenden Männern dominierten Diskussions- und Redekultur.

Beitragsbild: Lilly Schön (Mitte) liest aus Brot und Rosen © Leonie Beer


Die Veranstaltung: Lilly Schön liest aus „Brot und Rosen. Geschlecht und Klasse im Kapitalismus“, Frauenkultur Leipzig, 20.3.2019, 19.00 Uhr


Das Buch: Andrea D’Atri: Brot und Rosen. Geschlecht und Klasse im Kapitalismus. Hamburg, 2019, 253 Seiten, 15 Euro


Die Rezensentin:

 

 

 

Leonie Beer

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