Formeln und Definitionen anstatt Romantik und Abenteuer

Eine Medizinstudentin im Bücherwahn

Nur ein paar Schritte vom Ostplatz entfernt befindet sich das Uniklinikum, wo vor allem abends ab halb acht viele Medizinstudenten anzutreffen sind. So kam es, dass ich auf einem kleinen Abendspaziergang Lina traf, die sich mit einem Stapel Bücher unter ihrem Arm zur Straßenbahnhaltestelle bewegte.

Auf meine Frage, ob sie dieses Jahr zur Buchmesse ginge, antwortet sie nur lachend: »Ich würde ja gerne, aber ich habe nie zu so etwas Zeit.« Sie erzählt, dass sie in der Schulzeit fast jedes Wochenende lesend verbracht hat, seit dem Umzug nach Leipzig aber ihre Romane gegen Sachbücher über Blutgruppen und mathematische Gleichungen eintauschen musste.
»Es fällt schon schwer, nicht in jeder freien Minute zum Buch zu greifen, doch ich weiß, dass ich es nicht wieder weglegen könnte, wenn ich einmal angefangen habe,« erklärt sie mir, nachdem ich sie fragte, ob sie sich nicht ab und zu mal eine Pause vom Lernen nähme. »Ich glaube nicht, dass ich auch nur ein einziges Buch in Leipzig habe, was ich wirklich schon ausgelesen habe… Abgesehen von meinen Histologie- und Biochemiebüchern. Das waren richtige Wälzer.« So stellte sich mir die Frage: Würde man Lina auf der Buchmesse antreffen, wenn es nur um Bücher für ihr Studium ginge? »Niemals! [lacht] Da trenne ich Arbeit und Vergnügen viel zu sehr für. Wer weiß, eventuell in fünf oder sechs Jahren, sobald das Studium geschafft ist.«
Ich hoffe für Lina, dass sie sich nicht von ihrem Lernmaterial zu sehr die Freude am Lesen nehmen lässt und eventuell in naher Zukunft wieder nach Geschichten und Fiktionalem Ausschau hält.

Foto: © Krense


Interviewerin:

 

 

 

Pia Krense

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