Fluch der Geschwindigkeit

Höher, schneller, weiter. So lautet das Credo unserer Zeit, oder? Auch in Leipzig nimmt das Tempo des Lebens rasant zu. Es gibt kaum noch Möglichkeiten, seinen Alltag zu entschleunigen. Wer kommt da noch mit? Keine Angst! Es gibt Wege damit fertig zu werden…

Besonders dann, wenn dieser Weg durch die Karl-Heine-Straße führt. Hier kann der täglichen Routine entflohen werden. Als pulsierende Lebensader des Leipziger Westens ist diese Straße der Inbegriff der jungen Kultur der Stadt. Eher unauffällig fügt sich das Gebäude der Schaubühne Lindenfels in das Straßenbild ein. Eine unscheinbare Außenfassade, nebenan ein Peking-Imbiss. Das einzige, was ins Auge fällt, ist die riesige und nicht funktionierende Uhr, die sich auf dem Dach befindet. Zeitlosigkeit – das Credo der Schaubühne?

Foto: Dominik Dungel

Das Gebäude selbst gibt es seit 1874. In der DDR war die Schaubühne als »Lichtspieltheater Lindenfels« bekannt. Die Schaubühne ist ein Jugendstilgebäude von dem nach 140 Jahren wechselvoller Geschichte noch viel ursprüngliche Substanz erhalten ist. Und das verleiht dem Bau seinen unverwechselbaren Charme. Auf ganz einzigartige Weise kann man dieses besondere Flair im Ballsaal spüren. Hier gibt es eine faszinierende Mischung aus heruntergekommenen, halb verputzten Wänden, neu verlegtem Bodenparkett und moderner Technik. Der Saal wird für unterschiedliche Produktionen und Veranstaltungen genutzt. Auch der »Grüne Salon« verbreitet mit seinen roten Kinosesseln eine besonders gemütliche Atmosphäre, in der man sich direkt geborgen fühlt. Hier trifft Gegenwart auf Vergangenheit. Wie schon der damalige Name der Schaubühne verrät, ist einer der Hauptprogrammpunkte das Kino. Damals wie heute zieht es viele Besucher an. Passend dazu ist die überdimensionale Uhr eine Anspielung auf Harold Lloyds Klassiker » Safety Last!«. Neben dem Film sind auch Theater und Tanz wichtige Bestandteile des Programms.

Foto: Dominik Dungel

Mit über 20 Jahren ist die Kooperation der Schaubühne mit der Leipziger Buchmesse im Vergleich zum hohen Alter des Gebäudes zwar noch jung, hat sich aber in den Jahren gut bewährt. Als Leseort für das Leipziger Lesefest steht der charismatische Saale auch im Jahr 2019 hoch im Kurs. Die Schaubühne gehört zu den angesagtesten Etablissements in Leipzig. Sie ist eine Kreativhochburg, die es schafft, Industriekultur, Jugendstil und Kunst zu vereinen. Natürlich bleibt wegen der Vergangenheit zugewandten Atmosphäre nicht gleich die Zeit stehen, aber trotzdem kann man sich hier diesem Gedanken hingeben und den vermeintlichen Stillstand der Zeit genießen.


Autor*innen:

Leonie Beer, Dominik Dungel

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