Finanz-Thriller auf Schweizerdeutsch

Martin Suter stellt seinen neuen Roman „Montecristo“ auf der Buchmesse vor

Von Laura Hüser

Martin Suter 2

Eine riesige Halle, von allen Seiten aus Stimmen: Interviews mit Autoren, Menschen, die sich angeregt unterhalten. All das fühlt sich nicht nach gemütlicher „Wohnzimmer-Stimmung“ an. Trotzdem hat es der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband hinbekommen, eine recht angenehme Atmosphäre zu schaffen. Über den Sitzplatzmangel am Stand C300 beschwert sich keiner der Anwesenden. Sie wollen Martin Suter sehen.

Moderiert wird die Veranstaltung von Nicola Steiner, welche in einem angenehmen Schweizerdeutsch die Lesung mit der Frage eröffnet, wie es Herrn Suter denn gehe. Er antwortet mit einem kurzen, knackigen „gut“. Allerdings ist ihm die Erschöpfung leicht anzumerken, was ihm bei seinem vollen Terminkalender keiner verübelt. Der Autor, 1948 in Zürich geboren, lebt mit seiner Familie in der Schweiz. Mit dem Schreiben hat er als Werbetexter begonnen, bevor er sich ausschließlich mit längeren Geschichten in Romanform beschäftigte. Eine gute Wahl: Sein neuer Finanz-Thriller „Montecristo“ steht seit letzter Woche auf Platz eins der deutschen, der österreichischen und der schweizer Bestsellerlisten.

Steiner deutet an, dass das Buch auf zwei Zufällen basiert. Zunächst erfährt der Journalist Jonas Brand bei einer Zugfahrt die Bedeutung eines sogenannten Personenschadens. Dann geraten ihm zwei exakt identische Hundertfrankenscheine in die Hand. Diese Zufälle lassen ihn immer weiter eintauchen in die Schweizer Finanzwelt und decken Geheimnisse staatstragender Beamten auf. Bald wird auch er durch sein Filmprojekt „Montecristo“ in diese Skandale verwickelt und gerät selbst in Gefahr.

„Ich wollte dieses Mal über kleine Zufälle schreiben, die ein riesen Ding ins Laufen bringen“, so Suter. Dabei haben ihn immer wieder die doppelten Banknoten eingeholt. Und so entstand der Finanz-Thriller. Die Moderatorin stellt den Inhalt des Buches in einen moralischen Kontext. Es ginge auch um die Frage, wann Verrat und Lüge berechtigt seien. Dazu Suter: „Ja, es ist eine moralische Frage. Was mich selbst erstaunt, weil meine anderen Bücher eher unmoralisch sind.“

Obwohl er nun schon seit zwei Wochen mit seinem Roman unterwegs ist, wirkt Suter etwas aufgeregt. Naja, nicht wirklich aufgeregt – besser: Man merkt ihm an, dass er sich lieber dem Schreibprozess widmet, als im Scheinwerferlicht zu stehen. Das ist vielleicht auch der Grund für das frühzeitige Verlassen der Veranstaltung einzelner Zuhörer. Jedoch sind es die kleinen Patzer und nicht-vorhandene Atempausen nach einigen Punkten, die den Autor menschlich machen. Dass er sich nach der Lesung noch Zeit für das Signieren etlicher Bücher nimmt, obwohl es vorher bereits eine Signierstunde gab, schreibt ihm Sympathiepunkte zu.

Die Lesung endet mit der Frage, was nach seinem Finanz-Thriller als nächstes kommt. Suter antwortet, dass es in die Richtung Science Fiction gehen wird. Man darf also gespannt sein.


 

Zur Lesung: Martin Suter; Moderation: Nicola Steiner; Messestand C300 Halle 4; 12.März 2015; 15:00 Uhr
Zum Buch: Martin Suter; „Montecristo“; Diogenes; 23,90€

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