Familie mal anders

Book-Release-Party eines Familienromans in familiärem Ambiente

Von Helen Reményi

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Ein kleines Stück außerhalb der Innenstadt Leipzigs liegt das Café Cantona. Sonst eher als Fußballkneipe und für sein gutes Essen bekannt, war es am Mittwochabend Schauplatz der Book-Release-Party von Rebecca Maria Salentins neuem Roman „Schuld war Elvis“. Da ein Großteil des Buches in eben diesem Café entstand, verzichtete man dort anlässlich der Feier sogar auf die Fußball-live-Übertragung im ZDF. Doch die Kundschaft blieb nicht aus. Im Gegenteil: Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Lesung war das kleine Café proppenvoll und selbst die Barhocker alle belegt. Wer lässt es sich auch nehmen, eine Lesung mit anschließender Live-Musik bei einem Gläschen Wein oder einer Portion Woktofu zu genießen?! Also rückte man auf der Fensterbank ein wenig enger zusammen oder blieb in den Gängen zwischen den Tischen, Stühlen und der Bar stehen. So wurde das Café mit dem heimeligen Ambiente im Schummerlicht der DDR-Lampen noch ein Stückchen heimeliger.

Gegen 20 Uhr leitet Moderator Ralf Donis in den Abend ein und gesteht, dass er den Roman regelrecht verschlungen hat. Für ihn war die Geschichte „eine Melange aus Buddenbrooks und Michel aus Lönneberga“. Tatsächlich erzählt die Autorin in ihrem Werk von einer wahnsinnig großen Familie, ihren täglichen Sorgen und Freuden. Dabei wird es nie langweilig, da die spannenden und genauso lustigen wie makabren Anekdoten in ihrer Anordnung munter den Stammbaum auf und ab hüpfen. Man erfährt, durch welche kuriosen Zufälle sich die Eltern, Tanten, Onkel, Groß- und Urgroßeltern von Hebron Maria Magdalena Hunger kennenlernten und begleitet die Protagonistin letztendlich auf der Suche nach ihren jüdischen Wurzeln. Denn ihr Vater, Samuel Apelstejn, der eigentlich gar kein Apelstejn ist, aber das weiß niemand außer seiner Mutter, ergriff die Flucht, als er von der Schwangerschaft erfuhr. Und so wird Hebron von ihrer katholischen Mutter Meggy mit der Unterstützung derer Geschwister und Eltern aufgezogen. Dabei wünscht sich Meggy doch nur eine glückliche Familie. Allerdings hat sie riesiges Pech mit den Männern und da sie nichts von Verhütung hält, wächst die Familie nach und nach auf fünf Kinder (darunter ein Zwillingspaar) von vier verschiedenen Vätern an. In diesem Auf und Ab der Gefühle weiß sie schon gar nicht mehr, ob sie im jüdischen oder christlichen Glauben leben sollte oder doch besser Feministin ist.

Copyright Bertelsmann
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Der Roman ist eine Geschichte der ganz persönlichen, kleinen und großen Krisen einer Familie und sprudelt nur so vor Leben. Nachdem die Autorin zwei Passagen daraus vorgelesen hat, plaudert sie im Gespräch mit Moderator und Publikum aus, dass sie selbst den Konflikt zwischen den Generationen gut kennt: Anscheinend wurde ihr Outfit für den Abend von den Kindern zuhause als „peinlich“ abgestempelt und sie selbst durfte bei den Zigarette rauchenden Feministinnen in übergroßen Strickpullovern aus dem Lesekreis ihrer Mutter nie mitreden. Aber zumindest hat ihr das Stoff und Ideen für einen wunderbaren Roman geliefert.

 

 

 

 


 

Zum Buch: Rebecca Maria Salentin; Schuld war Elvis; 19,99 €; 512 Seiten; C. Bertelsmann Verlag

Zur Veranstaltung: Book-Release-Party im Café Cantona; 12.03.2015 20 Uhr

Lesung moderiert von Donis, anschließend Musik mit der Rock’n’Roll-Band King Kreole und DJ Eddie Hot Rod

Zur Autorin: Rebecca Maria Salentin schreibt nur von November bis März an ihren Romanen, denn in den wärmeren Monaten betreibt sie den Imbiss im grünen Zirkuswagen ZierlichManierlich

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