»Familie? – Aber das kann man doch nicht spielen!«

Milena Michiko Flašar und ein pensionierter Japaner, der Familie spielt, im Leipziger Haus des Buches.

© Verlag Klaus Wagenbach

Im Literaturcafé im Haus des Buches stellt Milena Michiko Flašar ihren neuen Roman vor, »Herr Katō spielt Familie«. An ihrer Seite die Lektorin des Buches, Annette Wassermann, die an diesem Abend als Moderatorin fungiert. So beginnt die Veranstaltung mit einer sehr herzlichen Vorstellung der Autorin, bei der unter anderem die österreichisch-japanischen Wurzeln Milena Michiko Flašars erwähnt werden. Vor allem die japanische Seite kommt in ihrem Buch zum Ausdruck, ist Japan doch Schauplatz ihrer Geschichte. Allerdings sei die Geschichte keine Abbildung eines typisch japanischen Phänomens, sondern in jeden Teil der Welt transponierbar, wie die Autorin betont.

In einer knappen Zusammenfassung schildert Milena Michiko Flašar die Handlung des Buches: Ein pensionierter Mann, der nicht wirklich weiß, was er mit sich anfangen soll, lernt eine junge Frau kennen. Diese leitet eine Agentur, bei der man Familienmitglieder auf Zeit mieten kann. »Herr Katō« wird die erste Rolle des Mannes – und ein bisschen von ihr bleibt an ihm haften.

Nach dem ersten Leseblock wird deutlich, dass das Buch vor allem eine ältere Klientel anzusprechen scheint. Handelt es doch von einem Mann, der sich an einem Wendepunkt befindet: vom Berufstätigen zum Rentner. Er fällt seiner Ehefrau nun zur Last, weil sie die ständige Anwesenheit ihres Gatten nicht recht verkraften kann.

Das überschaubare jüngere Publikum kann über die eingestreuten Witze zum eingerosteten Eheleben eher weniger lachen. So tut sich die Frage auf, wie eine Frau Mitte 30 dazu komme, ein Buch über einen älteren mürrischen Mann zu schreiben. Diese Frage beantwortet die Autorin, indem sie auf ein Buch über japanische Familienstrukturen verweist. Dort wird genau dieser der Ehefrau zur Last fallende Ehemann beschrieben, und zwar als ein feuchtes Blatt an der Schuhsohle der Frau: Etwas, das einen stört, von dem man aber nicht so richtig weiß, wie man es loswerden soll. Die perfekte Grundlage für eine Geschichte, wie die Autorin meint. Dieses Bild entlockt dem Publikum einige Lacher. Als im zweiten Leseabschnitt geschildert wird, dass Herrn Katōs Chefin nach dem Besuch einer alten Dame auf einmal Lust auf Friedhof bekommt, bleiben die Lacher jedoch aus.

Die ganz existenziellen Fragen, mit denen man in Flašars Roman konfrontiert wird, über Verluste, Sehnsüchte und Entbehrungen, sind ganz sicher in jeder Altersgruppe zu thematisieren und dadurch auch ganz unabhängig von der Altersgruppe nachvollziehbar. Dennoch haben die älteren Protagonisten ihre ganz eigenen Probleme mit dem Leben – die man wohl erst richtig verstehen kann, wenn man sie selbst erlebt hat. Dadurch wird »Herr Katō spielt Familie«, was mich betrifft, eher eine Buchempfehlung für Verwandte als meine eigene Lektüre.

Beitragsbild: Milena Michiko Flašar (links) mit Annette Wassermann (rechts). © Charlotte Kuschka


Die Veranstaltung: Milena Michiko Flašar liest aus Herr Katō spielt Familie, Moderation: Annette Wassermann, 17.3.2018, 17.30 Uhr Haus des Buches

Das Buch: Milena Michiko Flašar: Herr Katō spielt Familie. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2018, 176 Seiten, 20,00 Euro, E-Book 17,99 Euro


 

 

Die Rezensentin: Charlotte Kuschka

 


 

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