Exkursion: Filmreview „Als wir träumten“

Clemens Meyers Debütroman kommt in die Kinos

von Ariane J. Hoch

 

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Mit diesem Text wagen wir einen kleinen Exkurs. Wir wenden uns vom Lesefestival Leipzig liest ab und widmen uns kurz einem seiner Protagonisten oder vielmehr: den Früchten, die seine Arbeit hervorbringt. 2006 erschien Clemens Meyers Debütroman „Als wir träumten“ im S.Fischer Verlag mit einem nennenswerten Medienecho. Auf der Leipziger Buchmesse ist der Autor ein gern gesehener Gast, wiederholt las er bei der Langen Leipziger Lesenacht. (L3) Und jetzt, passend zur herannahenden Buchmesse, kommt die Verfilmung von „Als wir träumten“ in die Kinos.

Im Film begleiten wir Dani im Verbund mit seinen Freunden Rico, Mark, Pitbull und Paul. Es ist die Zeit der Wende. Eben noch unwillig bei den Pionieren, sind sie auf einmal losgelassen in einer Zeit des politischen Umbruchs. Sie verbringen ihre Zeit miteinander im Viertel und schnell wird deutlich: Sie sind nicht halbstark, sondern stark kriminell. Es wird geraucht, getrunken, gestohlen. Zwischen Vandalismus und Schlägereien verwirklichen sie, nicht mal volljährig, ihren eigenen Untergrund-Techno-Club, was ihnen eine blutige Fehde mit einer lokalen Glatzkopf-Gruppierung einbringt.

Der visuelle Stil des Films ist frisch und niemals künstlich. Eine angenehme Mischung zwischen moderner Inszenierung und Reise in die Neunziger. Die Kamera ist mal unscharf, mal hektisch, aber jederzeit nah an den Protagonisten. Die Charakterisierung der fünf jungen Männer hätte gern tiefer gehen können. Das Schauspiel gelegentlich auch. Manch eine Szene ist zu lang, eine andere zu kurz. Die vorkommenden Elemente drehen sich zeitweise im Kreis. Was jäh gestoppt wird, als Dani das erste Mal ins Gefängnis geht. Danach verschiebt sich etwas in seinem Freundeskreis  – zugleich findet auch der Film jetzt seine Konzentration.

 

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Ich habe den Film in einem vollbesetzten Leipziger Kino gesehen. Leute jeglicher Altersgruppen befanden sich im Raum. Zu Beginn sorgte die ein oder andere Szene noch für Heiterkeit. Doch zu keinem Zeitpunkt kam Unruhe auf. Was man dem Film zu Gute halten muss ist, dass weder mit romantisierender noch mit moralisierender Intention gearbeitet wird. Es wird eine Geschichte erzählt, die keine Sympathieträger hervorbringt, und trotzdem schafft es der Film, dass das Publikum Dani und seinen Freunden folgt.

Die Stadt selber ist nur Statistin. Wer Lokalkolorit sucht, wird es unterschwellig in BSG-Tätowierungen und Reudnitzer Pilsner finden. Es wird recht wenig gesächselt in einem Film, der in Leipzig spielt. Aber darauf kommt es auch gar nicht an. „Als wir träumten“ ist kein Werbeveranstaltung für die Messestadt. Der Film schafft eine Momentaufnahme von unaufgefangenen jungen Menschen, der etwas Zeitloses anhaftet, weil sie auf  viel Gravierenderes anspielt als Ort und Zeit: Was ist Freundschaft, was ist Verrat, was ist Gemeinschaft, was braucht es zum Bruch?

Und wenn man das Ende sieht, was bleibt da noch außer der Inhalt der Träume?

 

Als wir träumten, deutschlandweit angelaufen am 26.02.2015

http://www.alswirtraeumten.de/

Regie: Andreas Dresen

Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase

nach dem Roman von Clemens Meyer

http://www.fischerverlage.de/buch/als_wir_traeumten/9783596173051

 

Clemens Meyer auf der Leipziger Buchmesse: 14.3.2015, 15:00, ARTE Stand

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